9.6.14

Gespräche um Militärpensionen am Rand des Kongresses

Heute ist die vierte Konferenz auf dem Rathaus. Wiederum erfährt die Öffentlichkeit nicht, was da verhandelt wird. Dem Vernehmen nach halten die Kaiserlichen stur an dem fest, was sie im Präliminarfrieden von Rastatt erreicht haben.

Landammann Beat Jakob Zurlauben von Zug (54) kommt mit einer Delegation und zwölf Pferden in Baden an. Er ist Militärunternehmer im Dienste Frankreichs und Spaniens und will mit dem französischen Bevollmächtigten du Luc über finanzielle Dinge in diesem Zusammenhang sprechen. Wie andere erhofft er sich, am Kongress in bilateralen Gesprächen eigene Interessen verfolgen zu können.

8.6.14

Die dritte Konferenz

Um neun Uhr wird auf dem Rathaus wiederum Konferenz gehalten. Die Gespräche finden bilateral zwischen den Kaiserlichen und den Franzosen statt. Diese hören die Vertreter der Drittstaaten nur separat an. Zusammenkünfte aller Diplomaten sind nicht vorgesehen. Die Verhandlungen finden in Französisch und hinter geschlossenen Türen statt. Die Badener Bevölkerung erfährt nichts von ihrem Inhalt.

7.6.14

Die Bagage von Saint-Contest in 74 Wagen

Von neun bis elf Uhr halten die vier Bevollmächtigten und ihre Legationssekretäre die zweite Konferenz auf dem Rathaus ab. Um zehn Uhr geht der kaiserliche Kabinettskurier per Postkutsche nach Wien ab.


Der Dompropst legt bei den kaiserlichen Bevollmächtigten im Namen des Fürstbischofs von Basel das Kompliment ab. Und abends kommt die Bagage des Seigneur de Saint-Contest an. Sie umfasst 74 Wagen, dazu über 50 Pferde und Bedienstete.

6.6.14

Der Badener Rat begrüsst die Bevollmächtigten

Weitere Gesandte kommen an: zwei Komture des Deutschen Ordens sowie der Dompropst des Fürstbistums Basel.


Nachmittags begrüssen die Behörden der Stadt Baden ihre Gäste. Sie werden angeführt von den beiden Herren Schultheissen, Johann Ulrich Dorer (66) und Kaspar Ludwig Schnorff (72). Vier Abgeordnete des Kleinen Rats (des Stadtrats) begleiten sie zu den kaiserlichen und französischen Gesandten.

5.6.14

Der erste Konferenztag

Heute beginnt der Friedenskongress ganz offiziell. Um neun Uhr treten die vier Bevollmächtigten des Kaisers und des französischen Königs samt ihren Legationssekretären im Rathaus zusammen. Die drei in der Grafschaft Baden regierenden Stände Zürich, Bern und Glarus haben für den Kongress die sogenannte Eidgenossenstube, den Tagsatzungssaal, mit grünem Tuch tapezieren lassen. Die erste Konferenz dauert zwei Stunden und ist von Formalien geprägt. Die beiden Delegationen legen gegenseitig ihre Komplimente ab und weisen ihre Vollmachten vor. Nach der Konferenz wohnen die Kaiserlichen in der Stadtpfarrkirche, die Franzosen aber in der Kirche des Kapuzinerklosters der heiligen Messe bei.

Der Sohn des französischen Bevollmächtigten du Luc reist ab, um sich in Paris zu verheiraten. Gleichzeitig trifft Madame de Saint-Contest, die Frau des anderen französischen Gesandten, ein. Ihr Mann lässt ihr und ihrem Gefolge vier Sänften entgegenschicken.

Die Offiziellen der Grafschaft Baden legen bei beiden Hauptdelegationen ihre Höflichkeitsvisite ab:seine Hochwürden der Abt von Wettingen, Franz Baumgartner (62), und der Landvogt in Baden, der Berner Hieronymus Thormann (56), begleitet vom Landschreiber der Grafschaft Baden und dem Untervogt.

4.6.14

Zürich und Bern schicken eine Wachtmannschaft

Der kaiserliche Bevollmächtigte Graf von Goëss erstattet heute mit allen seinen Offizieren, Pagen und Lakaien den beiden französischen Gesandten die Gegenvisite. Danach tafeln sie gemeinsam im Bernerhaus. Im Anschluss daran überreichen die beiden Abordnungen einander die Verhandlungsvollmachten des Kaisers beziehungsweise des französischen Königs in beglaubigten Kopien. Morgen beginnen die Verhandlungen.

Gegen Abend kommen 40 Mann zürcherischer und bernischer Truppen in Baden an. Sie werden im Parterre des Rathauses einquartiert, wo sie die Wache für die Konferenzen übernehmen werden.

Ferner trifft heute mit der Postkutsche der Gesandte von Hessen-Kassel ein.

3.6.14

Eine inoffizielle Unterredung der Offiziellen

Es ist Sonntag. Wieder speist Graf von Goëss bei Graf von Seilern im Roten Turm. Auch andere vornehme Gäste sind zugegen.

Nach der Tafel, gegen vier Uhr nachmittags, empfangen die kaiserlichen Bevollmächtigten die beiden französischen Gesandten du Luc und de Saint-Contest. Diese sind von 27 Offizieren und gegen 40 Bediensteten sowie etlichen Pagen in Livré begleitet. Damit treffen erstmals die vier Hauptbevollmächtigten zusammen. Sie begrüssen einander an der Treppe des Roten Turms mit grosser Höflichkeit und freundschaftlichen Gesten. Du Luc und von Goëss stellen bei dieser Gelegenheit den anderen Gesandten ihre Herren Söhne vor. Darauf begeben sich die vier Bevollmächtigten zu einer Unterredung ins Audienzzimmer des Roten Turms. Nach drei Viertelstunden kehren die Franzosen in ihre Logements zurück.