Um
neun Uhr wird auf dem Rathaus wiederum Konferenz gehalten. Die Gespräche finden
bilateral zwischen den Kaiserlichen und den Franzosen statt. Diese hören die
Vertreter der Drittstaaten nur separat an. Zusammenkünfte aller Diplomaten sind nicht
vorgesehen. Die Verhandlungen finden in Französisch und hinter geschlossenen
Türen statt. Die Badener Bevölkerung erfährt nichts von ihrem Inhalt.
Erleben Sie den Friedenskongress Tag für Tag. Der Badener Caspar Joseph Dorer führt für Sie Tagebuch.
8.6.14
7.6.14
Die Bagage von Saint-Contest in 74 Wagen
Von
neun bis elf Uhr halten die vier Bevollmächtigten und ihre Legationssekretäre
die zweite Konferenz auf dem Rathaus ab. Um zehn Uhr geht der kaiserliche
Kabinettskurier per Postkutsche nach Wien ab.
Der
Dompropst legt bei den kaiserlichen Bevollmächtigten im Namen des Fürstbischofs
von Basel das Kompliment ab. Und abends kommt die Bagage des Seigneur de
Saint-Contest an. Sie umfasst 74 Wagen, dazu über 50 Pferde und Bedienstete.
6.6.14
Der Badener Rat begrüsst die Bevollmächtigten
Weitere
Gesandte kommen an: zwei Komture des Deutschen Ordens sowie der Dompropst des Fürstbistums
Basel.
Nachmittags
begrüssen die Behörden der Stadt Baden ihre Gäste. Sie werden angeführt von den
beiden Herren Schultheissen, Johann Ulrich Dorer (66) und Kaspar Ludwig
Schnorff (72). Vier Abgeordnete des Kleinen Rats (des Stadtrats) begleiten sie
zu den kaiserlichen und französischen Gesandten.
5.6.14
Der erste Konferenztag
Heute
beginnt der Friedenskongress ganz offiziell. Um neun Uhr treten die vier
Bevollmächtigten des Kaisers und des französischen Königs samt ihren
Legationssekretären im Rathaus zusammen. Die drei in der Grafschaft Baden
regierenden Stände Zürich, Bern und Glarus haben für den Kongress die sogenannte
Eidgenossenstube, den Tagsatzungssaal, mit grünem Tuch tapezieren lassen. Die
erste Konferenz dauert zwei Stunden und ist von Formalien geprägt. Die beiden
Delegationen legen gegenseitig ihre Komplimente ab und weisen ihre Vollmachten
vor. Nach der Konferenz wohnen die Kaiserlichen in der Stadtpfarrkirche, die
Franzosen aber in der Kirche des Kapuzinerklosters der heiligen Messe bei.
Der
Sohn des französischen Bevollmächtigten du Luc reist ab, um sich in Paris
zu verheiraten. Gleichzeitig trifft Madame de Saint-Contest, die Frau des
anderen französischen Gesandten, ein. Ihr Mann lässt ihr und ihrem Gefolge vier
Sänften entgegenschicken.
Die Offiziellen der Grafschaft Baden legen bei beiden Hauptdelegationen
ihre Höflichkeitsvisite ab:seine Hochwürden der Abt von Wettingen, Franz Baumgartner
(62), und der Landvogt in Baden, der Berner Hieronymus Thormann (56), begleitet
vom Landschreiber der Grafschaft Baden und dem Untervogt.
4.6.14
Zürich und Bern schicken eine Wachtmannschaft
Der
kaiserliche Bevollmächtigte Graf von Goëss erstattet heute mit allen seinen
Offizieren, Pagen und Lakaien den beiden französischen Gesandten die
Gegenvisite. Danach tafeln sie gemeinsam im Bernerhaus. Im Anschluss daran
überreichen die beiden Abordnungen einander die Verhandlungsvollmachten des
Kaisers beziehungsweise des französischen Königs in beglaubigten Kopien. Morgen
beginnen die Verhandlungen.
Gegen
Abend kommen 40 Mann zürcherischer und bernischer Truppen in Baden an. Sie
werden im Parterre des Rathauses einquartiert, wo sie die Wache für die
Konferenzen übernehmen werden.
Ferner
trifft heute mit der Postkutsche der Gesandte von Hessen-Kassel ein.
3.6.14
Eine inoffizielle Unterredung der Offiziellen
Es
ist Sonntag. Wieder speist Graf von Goëss bei Graf von Seilern im Roten Turm. Auch
andere vornehme Gäste sind zugegen.
Nach
der Tafel, gegen vier Uhr nachmittags, empfangen die kaiserlichen
Bevollmächtigten die beiden französischen Gesandten du Luc und de Saint-Contest.
Diese sind von 27 Offizieren und gegen 40 Bediensteten sowie etlichen Pagen in
Livré begleitet. Damit treffen erstmals die vier Hauptbevollmächtigten zusammen.
Sie begrüssen einander an der Treppe des Roten Turms mit grosser Höflichkeit
und freundschaftlichen Gesten. Du Luc und von Goëss stellen bei dieser
Gelegenheit den anderen Gesandten ihre Herren Söhne vor. Darauf begeben sich die
vier Bevollmächtigten zu einer Unterredung ins Audienzzimmer des Roten Turms. Nach
drei Viertelstunden kehren die Franzosen in ihre Logements zurück.
2.6.14
Erste Gespräche innerhalb der Delegationen
Der
französische Bevollmächtigte de Saint-Contest lässt sich heute im Tragsessel
vom Paradies zum Roten Turm bringen, um dort Graf von Seilern seine Gegenvisite
abzustatten. Er ist von allen seinen Offiziere und Bediensteten begleitet. Nach
einer halben Stunde ist das Treffen beendet. De Saint-Contest besucht noch kurz
die Gesandten von Köln, Savoyen, Lothringen und Bayern, die ihm bereits ihre Aufwartung
gemacht haben, zur Gegenvisite. Danach lässt er sich ins Paradies zurücktragen.
Die
beiden kaiserlichen Bevollmächtigten essen heute im Roten Turm gemeinsam zu
Mittag. Anwesend sind auch der Sohn von Graf von Goëss, Anton Oswald (15), der
lothringische Gesandte und der kaiserliche Legationssekretär Penterriedter (36).
Dabei werden wohl Gespräche über die Vorgehensweise bei den kommenden
Verhandlungen geführt.
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