19.7.14

Annäherung bei den Kapuzinern

Nach der Konferenz, die wie immer von neun bis elf Uhr dauert, begibt sich Seilern wie gewöhnlich in die Pfarrkirche, um der Messe seines Kaplans beizuwohnen. Sein Kollege von Goëss hingegen beginnt, um sieben Uhr morgens den Gottesdienst in der Kapuzinerkirche zu besuchen. Ein Zeichen der Annäherung an die Franzosen, die ebenfalls dort zur Messe gehen?
Seilern lässt wieder grossartig auftischen heute, 14 Speisen sind es, und die zehn Gäste werden ausschliesslich aus purem Silbergeschirr verköstigt.

Abends fährt Seilern mit seinem Hofstaat auf die Matte beim Hinterhof. Dort treffen auch andere Gesandte und deren Frauen ein. Eine Stunde lang unterhält man sich dort. Währenddessen erfolgen die wirklich wichtigen Gespräche im Kapuzinergarten: Dort befinden sich von Goëss, du Luc und Saint-Contest um Geheimes zu besprechen, bis die einfallende Nacht sie zur Rückkehr veranlasst.

18.7.14

Grosses Mittagessen im Kloster Wettingen

Der kölnische Gesandte, Freiherr Johann Friedrich Ignaz Karg Freiherr von Bebenburg (Ende 60) testet die Küche des Klosters Wettingen. Er lässt dort ein mehrstündiges Mittagsmahl richten, mit dem er verschiedene andere Diplomaten günstig stimmen will. Den jugendlichen päpstlichen Gesandten Passionei (32) lässt er in einer mit sechs Rappen bespannten Kutsche ins Kloster führen. Der französische Bevollmächtigte Saint-Contest, der bayrische Gesandte Johann Alois Freiherr von Malknecht, der Gesandte von Lüttich und andere kommen in ihren eigenen Gefährten.

Nach 19 Uhr begeben sich die kaiserlichen Botschafter auf die Wiese in der Pfaffechappe. Saint-Contest folgt ihnen. Sie unterhalten sich dort auf ungezwungene Weise eine Weile.

17.7.14

Spinola auf Visite

Der gestern angekommene Herzog von St. Pierre legt bei den kaiserlichen Bevollmächtigten seine Visite ab.

16.7.14

Italienischer Kleinfürst mit grossem Hofstaat

Im Weissen Kreuz an der Weiten Gasse ist heute Franz Maria Spinola, Herzog zu St. Pierre, abgestiegen. Er stammt aus einem der grossen Geschlechter Genuas und vertritt seine eigenen Interessen, eines kleinen Territoriums in Oberitalien. Begleitet sind er und seine Frau von einem für seine Bedeutung übertriebenen Hofstaat, mehreren Offizieren und Bediensteten.

15.7.14

Der päpstliche Gesandte macht seine Visiten

Der Vertreter des Papstes, Domenico Passionei, macht heute seine Visiten bei den kaiserlichen Bevollmächtigten. Diese empfangen ihn eher kühl, denn instruktionsgemäss stellt sich Passionei gegen eine Ausdehnung habsburgischer Macht auf der italienischen Halbinsel.

14.7.14

Der Botschafter des Papstes steigt im Pfarrhaus ab

Heute ist der Gesandte des Heiligen Stuhls in Baden eingetroffen. Domenico Passionei (32) lässt sich von seinem Bruder Francesco begleiten. Der Geistliche und Doktor der Philosophie und beider Rechte ist gräflicher Herkunft und weiss sich unter Diplomaten zu bewegen. Dies hat er schon auf dem Friedenskongress in Utrecht bewiesen. Er hätte eigentlich im Kloster Wettingen standesgemässe Unterkunft nehmen sollen, doch das ist dem begabten Netzwerker zu weit vom Geschehen entfernt: Er begnügt sich mit einer Kammer im Badener Pfarrhaus, um nahe am Puls des Kongresses zu sein. Das ist sicherlich auch der Grund, warum die meisten Gesandten in der Stadt und nicht in den Bädern logieren.

13.7.14

Klosterführung in Wettingen und Spiessrutenlauf in der Kronengasse

Graf von Seilern fährt morgens um acht Uhr mit dem kaiserlichen Geheimsekretär Penterriedter zum Kloster Wettingen. Abt Franz Baumgartner (62) und der Pater Prior führen die beiden durch das Kloster, bevor der Konvent zu Ehren der kaiserlichen Gäste ein Hochamt mit Musikbegleitung feiert.

Zurück an der Mittagstafel, die von Seilern im Roten Turm wiederum mit mehreren Gästen teilt, erscheint ein Leutnant im Speisezimmer. Ein Soldat der Garnison habe eine Badener Bürgerstochter mit Schlägen hart traktiert. Wie üblich, müsse der Soldat nun mit einem Spiessrutenlauf bestraft werden. Aber er, der Leutnant, habe Bedenken, dass dies in der Rathausgasse zu viel Aufsehen erregen würde. Von Seilern befiehlt dem Leutnant, die Körperstrafe des Soldaten in der «hinteren Halden», also in der weniger belebten Kronengasse, vorzunehmen.

Das Spiessrutenlaufen ist eine harte militärische Leibstrafe, die bei unehrenhaftem Verhalten verhängt wird. Der Delinquent muss mehrmals durch eine Gasse seiner Kameraden schreiten, bis zum Gürtel entblösst. Diese versetzen ihm mit Haselruten Schläge auf den Rücken.