4.9.14

Poker um die erste Ankunft

Marschall de Villars, der für den französischen König Ludwig XIV. den Friedensvertrag unterzeichnen soll, ist inzwischen in Brugg eingetroffen. Dort bleibt er, denn er fühlte sich gegenüber Prinz Eugen zurückgesetzt, wenn er zuerst in Baden einträfe. Es ist ein Spiel um Rang und Ansehen. Damit der Marschall im Roten Haus zu Brugg nicht darben muss, wird er von Baden aus mit Speis und Trank versorgt.

Nach zehn Uhr vormittags reitet der junge Graf von Goëss (15) nebst einem Offizier und einem Bediensteten mit der Post nach Schaffhausen, um Prinz Eugen dort zu empfangen und nach Baden zu geleiten. Entgegen früherer Nachricht ist erst für morgen mit der Ankunft des Prinzen in Baden zu rechnen. In der Nacht wird noch eine Stafette von Begleitpersonal von Baden nach Schaffhausen geschickt.

3.9.14

Ankunft des Prinzen Eugen bereits morgen?

Heute trifft ein Kurier ein, der die Ankunft ihrer hochfürstlichen Durchlaucht, des Prinzen Eugen, auf morgen Dienstag, den 4. September, in Aussicht stellt. In Schaffhausen sollen für den Prinzen 36 Postpferde bestellt worden sein.

Die Nachricht wird mit Freude, aber auch mit Gelassenheit zur Kenntnis genommen: Das diplomatische Personal tafelt mittags und abends eifrig und in wechselnder Zusammensetzung, macht Besuche und wohnt der Komödie im Schützenhaus bei.

2.9.14

Entspannte Atmosphäre

Das Zelt im Garten des Schnorff’schen Sommerhauses kann man offenbar mieten. Heute ist der Monseigneur Passionei (32), der päpstliche Gesandte, Gastgeber. Wir wüssten zu gern, wer den Auftrag für das Catering bekommen hat. Es ist ja kaum anzunehmen, dass die Haushälterin des Pfarrers, wo Passionei eine Kammer belegt, die feine Gesellschaft im Zelt bekocht. Verschiedene hohe Kongressbesucher findet man abends im Theater, während von Goëss und Saint-Contest sowie weitere Gesandte im Kapuzinergarten lustwandeln.

1.9.14

Vielleicht sogar Freundschaft

Da sich die Vertragsparteien nun geeinigt haben, kann man freundschaftlicher miteinander umgehen. Ein Ausdruck davon ist es, dass die kaiserlichen Exzellenzen sich heute nicht die Messe in der Stadtkirche lesen lassen, sondern sich samt ihrem Kaplan dazu in die Kapuzinerkirche verfügen, wo normalerweise die Franzosen niederknieen. Und es scheint fast, dass die beiden jüngeren Hauptbevollmächtigten beider Vertragsparteien, Saint-Contest (46) und von Seilern (39), einander gut mögen. Es kommt nun schon zum wiederholten Mal vor, dass gerade diese beiden sich zum Essen zusammensetzen.

Zu vermelden ist auch, dass der glücklose Herzog von Montbéliard, der am Kongress nichts erreicht hat und am 14. August abgereist ist, heute wieder in Baden eintrifft. Hat er seine Zahnbürste vergessen? Nein, im Ernst: Das Spektakel, das sich mit der Ankunft der beiden Kontrahenten Prinz Eugen und Marschall de Villars ankündigt, ist zu attraktiv, um fernzubleiben. Besonders wenn man sich erhofft, doch noch das eine oder andere Ohr für eigene Angelegenheiten zu finden.

31.8.14

Die Unterzeichnung des Friedens wird vorbereitet

Heute sind Aktivitäten im Gang, die ganz eindeutig dazu dienen, die Ankunft des Prinzen Eugen und das genaue diplomatische Protokoll zu besprechen, das rund um die Unterzeichnung des Friedensvertrags in Anwendung kommen soll. Von Seilern bespricht sich ausführlich mit von Goëss, und beide empfangen nacheinander die beiden jungen Fürsten von Ligne (28 und 29), die vorgestern eingetroffen sind und als hohe Militärs quasi die Vorhut des Prinzen Eugen darstellen. Der Empfang ist, obwohl sie aus dem eigenen Lager stammen, förmlich: Von Seilern empfängt sie oben an der Treppe und geht mit ihnen ins Audienzzimmer.

30.8.14

Letzte Retouchen am Friedensvertrag

Von Wien und Paris sind inzwischen die Kuriere des Friedensvertrags wieder in Baden eingetroffen und haben aus den Hauptstädten Instruktionen mitgebracht. Es wird nicht bekannt, ob am Vertrag nun noch letzte Korrekturen angebracht werden oder ob es allein darum geht, das Prozedere der Unterzeichnung zu besprechen. Jedenfalls treffen sich heute die kaiserlichen und französischen Bevollmächtigten von neun bis elf Uhr auf dem Rathaus zur Konferenz. Danach folgt der übliche Besuch der heiligen Messe.

In der Wiese hinter dem Sommerhaus des Schultheissen Schnorff, das sich vor dem Mellingertor befindet, hat man ein Zelt aufgestellt. Dort speist der Seigneur de Saint-Contest mit seinen Damen zu Mittag. Nach vier Uhr nachmittags kommen die kaiserlichen Exzellenzen hinzu. Man unterhält sich bis zur einfallenden Nacht – ein schöner Sommernachmittag, auf den ein Nachtessen folgt: Von Seilern speist bei Saint-Contest.

29.8.14

Prinz Eugen endlich unterwegs

Heute kommen die beiden Fürsten Claudius (29) und Ferdinand (28) von Ligne und Amblise in Baden an. Sie sind die ersten Vorboten Prinz Eugens, vor elf Tagen in Wien abgereist. Sie nehmen Quartier im Gasthof zum Engel, neben dem Bruggertor.

Endlich soll heute auch Prinz Eugen, der römischen kaiserlichen und königlichen katholischen Majestät wirklich geheimer Rat, Hofkriegsratspräsident, Generalleutnant, des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation Reichsfeldmarschall und so weiter und so weiter, Wien mit der Post verlassen haben, um nach Baden zu kommen und die Generalfriedenshandlung vorzunehmen. Man rechnet damit, dass Prinz Eugen in etwa einer Woche in der Kongressstadt eintreffen wird.
Es ist heute des Chronisten Hochzeitstag. Danke für diese Nachricht, auf die wir so lange gewartet haben!