23.8.14

Nachricht aus Wien: Ein neues Problem?

Mit der Post trifft heute ein Extrakurier von Wien ein, der sofort zu Graf von Goëss in den Wilden Mann eilt, wohin sich auch Graf von Seilern unverzüglich begibt. Daraufhin, so wird beobachtet, treffen sich die beiden Kaiserlichen mit dem Franzosen Saint-Contest im Kapuzinergarten und halten mit ihm über eine Stunde lang eine geheime Unterredung.

Niemand weiss, aber alle mutmassen, was hier an schlechter oder schwieriger Nachricht wohl eingelangt sein mag. Eine Unstimmigkeit im Vertrag? Eine zeitliche Verzögerung? Eine Forderung Wiens bezüglich der Formalitäten, die der Zustimmung der Franzosen bedarf? Nichtsdestotrotz begeben sich derweil die Französinnen, von vornehmen Kavalieren begleitet, ins «Commoedi-Hauss» auf dem Theaterplatz.

22.8.14

Die Vorläufer von Prinz Eugen unterwegs nach Baden

In Baden wartet man sehnlichst auf Nachrichten aus Wien. Wann endlich reist Prinz Eugen ab, um den Frieden zu unterzeichnen? Noch ist von Durchlaucht nichts zu vernehmen. Statt ihm, so hört man heute, haben aber zwei junge, hohe Militärs aus seinem Gefolge die Reise von Wien nach Baden angetreten, die beiden Fürsten von Ligne und Amblise. Sie gehören zum kaisertreuen belgischen Hochadel und haben sich im vergangenen Krieg militärisch ausgezeichnet. Claudius ist 29, sein Bruder Ferdinand 28 Jahre alt.

21.8.14

Der Abt von St. Blasien auf Besuch

Heute macht der Abt des mächtigen Benediktinerklosters St. Blasien, Augustinus Fink (ca. 62), einen Besuch in Baden. Das im Schwarzwald liegende Kloster ist auch in unserer Gegend reich begütert. Es ist in zahlreichen umliegenden Ortschaften Grundherr und Inhaber anderer Rechte. In Kirchdorf beispielsweise richtet es über Diebstähle und andere Delikte (Niedere Gerichtsbarkeit), bezieht den Zehnten und setzt den Pfarrer ein. Es ist mit den Propsteien Klingnau und Wislikofen auch physisch in der Grafschaft Baden präsent. Abt Augustinus hat sich im vergangenen Krieg zweimal mit Mitbrüdern in Wislikofen in Sicherheit bringen müssen.
Nach der Mittagstafel beim kaiserlichen Gesandten von Seilern reist Abt Augustinus mit dem Propst und dem Hofkaplan nach Klingnau ab. Er wird von Seilern mit einer von sechs Rappen gezogenen Kutsche in die Bäder geführt und besteigt dort das Schiff.

Abends unternehmen die Franzosen unter der Führung von Saint-Contest einen Ausflug aufs Wettinger Feld, in zwei Kutschen und mit Sänften. Nach knapp drei Stunden kehren sie um acht Uhr noch beim Herzog von St. Pierre ein.

20.8.14

Königin Anna verstorben

Heute läuft in Baden die Nachricht ein, dass am 12. August morgens zwischen sieben und acht Uhr Königin Anna von Grossbritannien in ihrem 50. Lebensjahr verstorben ist. Als man vor sieben Tagen in Baden von ihrem Schlaganfall vernommen hat, war sie also bereits seit einem Tag tot. So lange dauert es, bis umwälzende Neuigkeiten (engl.: breaking news) von London nach Baden übermittelt sind.

Anna stirbt ohne direkte Nachkommen, sie ist die letzte Königin aus dem Hause Stuart. Ober- und Unterhaus treten zusammen und nehmen Kenntnis von der früher beschlossenen Parlamentsakte, wonach der Kurfürst von Hannover, der Welfe Georg aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, ihr auf dem Thron nachfolgt.

19.8.14

Das Tägerhard: ein neuer Festort mit Potenzial

Am heutigen strahlend schönen Sonntag geben die französischen Gesandten eine Freiluftparty im Tägerhard. Die Bediensteten haben viel Arbeit damit gehabt und im Wald eine Tafel eingerichtet, die mit unterschiedlichen köstlichen kalten Speisen ausgestattet ist. Nachmittags um zwei begibt sich die Crème de la Crème in ihren Kutschen und zu Pferd nach Wettingen. Die Bauern aus mehreren umliegenden Dörfern laufen zusammen, um sich dieses Spektakel anzuschauen.

Dieser Ort, das Tägerhard, hat wahrhaftig das Potenzial, um Feste zu feiern! Die noblen Damen und Herren haben mächtig Spass und bleiben bis acht Uhr abends. Unter hell leuchtenden Fackeln besteigen sie wieder ihre Kutschen und fahren zurück. Bei Saint-Contest im Paradies gibts für einen Teil der Gesellschaft noch einen Absacker.

18.8.14

Alles bereit in Prinz Eugens Unterkunft?

In den letzten Tagen ist im Sommerhaus des Schultheissen Schnorff vor dem Mellingertor die Unterkunft für Prinz Eugen von Savoyen hergerichtet worden, der bald erwartet wird, um den Frieden für den Kaiser zu unterzeichnen. Von Seilern und der Sekretär der kaiserlichen Delegation, Penterriedter, besichtigen die Vorbereitungen und kehren danach im «Paradies» bei Saint-Contest ein.

17.8.14

Die evangelischen Gesandten enttäuscht

Der Baden-Durlachische Gesandte reist heute ab. Er ist enttäuscht wie alle evangelischen Gesandten. Sie wollten die sogenannte Religionsklausel abgeschafft haben. Mit dieser Klausel in einem vorangegangenen Friedenswerk, dem Rijswijker Frieden von 1697, hatte sich der französische König nur bereit erklärt, besetzte Gebiete zurückzugeben, wenn sie katholisch blieben. Den Katholizismus in diesen evangelischen Gebieten hatte er vorher mit Gewalt eingeführt. Im Frieden von Baden wird nun diese Religionsklausel in Artikel 3 bestätigt. Gehör haben die evangelischen Gesandten weder bei Frankreich noch bei den Kaiserlichen gefunden.