21.8.14

Der Abt von St. Blasien auf Besuch

Heute macht der Abt des mächtigen Benediktinerklosters St. Blasien, Augustinus Fink (ca. 62), einen Besuch in Baden. Das im Schwarzwald liegende Kloster ist auch in unserer Gegend reich begütert. Es ist in zahlreichen umliegenden Ortschaften Grundherr und Inhaber anderer Rechte. In Kirchdorf beispielsweise richtet es über Diebstähle und andere Delikte (Niedere Gerichtsbarkeit), bezieht den Zehnten und setzt den Pfarrer ein. Es ist mit den Propsteien Klingnau und Wislikofen auch physisch in der Grafschaft Baden präsent. Abt Augustinus hat sich im vergangenen Krieg zweimal mit Mitbrüdern in Wislikofen in Sicherheit bringen müssen.
Nach der Mittagstafel beim kaiserlichen Gesandten von Seilern reist Abt Augustinus mit dem Propst und dem Hofkaplan nach Klingnau ab. Er wird von Seilern mit einer von sechs Rappen gezogenen Kutsche in die Bäder geführt und besteigt dort das Schiff.

Abends unternehmen die Franzosen unter der Führung von Saint-Contest einen Ausflug aufs Wettinger Feld, in zwei Kutschen und mit Sänften. Nach knapp drei Stunden kehren sie um acht Uhr noch beim Herzog von St. Pierre ein.

20.8.14

Königin Anna verstorben

Heute läuft in Baden die Nachricht ein, dass am 12. August morgens zwischen sieben und acht Uhr Königin Anna von Grossbritannien in ihrem 50. Lebensjahr verstorben ist. Als man vor sieben Tagen in Baden von ihrem Schlaganfall vernommen hat, war sie also bereits seit einem Tag tot. So lange dauert es, bis umwälzende Neuigkeiten (engl.: breaking news) von London nach Baden übermittelt sind.

Anna stirbt ohne direkte Nachkommen, sie ist die letzte Königin aus dem Hause Stuart. Ober- und Unterhaus treten zusammen und nehmen Kenntnis von der früher beschlossenen Parlamentsakte, wonach der Kurfürst von Hannover, der Welfe Georg aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, ihr auf dem Thron nachfolgt.

19.8.14

Das Tägerhard: ein neuer Festort mit Potenzial

Am heutigen strahlend schönen Sonntag geben die französischen Gesandten eine Freiluftparty im Tägerhard. Die Bediensteten haben viel Arbeit damit gehabt und im Wald eine Tafel eingerichtet, die mit unterschiedlichen köstlichen kalten Speisen ausgestattet ist. Nachmittags um zwei begibt sich die Crème de la Crème in ihren Kutschen und zu Pferd nach Wettingen. Die Bauern aus mehreren umliegenden Dörfern laufen zusammen, um sich dieses Spektakel anzuschauen.

Dieser Ort, das Tägerhard, hat wahrhaftig das Potenzial, um Feste zu feiern! Die noblen Damen und Herren haben mächtig Spass und bleiben bis acht Uhr abends. Unter hell leuchtenden Fackeln besteigen sie wieder ihre Kutschen und fahren zurück. Bei Saint-Contest im Paradies gibts für einen Teil der Gesellschaft noch einen Absacker.

18.8.14

Alles bereit in Prinz Eugens Unterkunft?

In den letzten Tagen ist im Sommerhaus des Schultheissen Schnorff vor dem Mellingertor die Unterkunft für Prinz Eugen von Savoyen hergerichtet worden, der bald erwartet wird, um den Frieden für den Kaiser zu unterzeichnen. Von Seilern und der Sekretär der kaiserlichen Delegation, Penterriedter, besichtigen die Vorbereitungen und kehren danach im «Paradies» bei Saint-Contest ein.

17.8.14

Die evangelischen Gesandten enttäuscht

Der Baden-Durlachische Gesandte reist heute ab. Er ist enttäuscht wie alle evangelischen Gesandten. Sie wollten die sogenannte Religionsklausel abgeschafft haben. Mit dieser Klausel in einem vorangegangenen Friedenswerk, dem Rijswijker Frieden von 1697, hatte sich der französische König nur bereit erklärt, besetzte Gebiete zurückzugeben, wenn sie katholisch blieben. Den Katholizismus in diesen evangelischen Gebieten hatte er vorher mit Gewalt eingeführt. Im Frieden von Baden wird nun diese Religionsklausel in Artikel 3 bestätigt. Gehör haben die evangelischen Gesandten weder bei Frankreich noch bei den Kaiserlichen gefunden.

16.8.14

Fast jeden Tag ins Theater

Heute haben die Köche von Graf von Seilern wieder viel zu tun: Durch seine Pagen lässt Exzellenz wiederum eine grosse Schar hochkarätiger Gäste zur Mittagstafel bitten. Die anwesenden Damen beginnen nach der Mahlzeit mit dem Kartenspiel, einige Herren machen mit. Sodann lassen sich die Damen in ihren Tragsesseln die wenigen Schritte zum Schützenhaus auf der Schanze vor dem Bruggertor bringen. Im dortigen Theatersaal wird jeden Tag eine Komödie gegeben, der jeweils fast der ganze Kongress beiwohnt. Von Seilern lässt in der Rathausgasse anspannen, sechsspännig natürlich, und fährt durch das Bruggertor ebenfalls auf den Theaterplatz, um dem Schauspiel beizuwohnen.

15.8.14

Von Seilern eilt von Tafel zu Tafel

Die gräflichen Exzellenzen von Seilern und von Trauttmansdorff speisen heute Mittag wiederum bei von Goëss im Wilden Mann. Trauttmansdorff trifft danach noch einige andere Gesandte und wird dann von Seilern in der Kutsche zur Schifflände in den Bädern gebracht, von wo er sich auf der Limmat nach Waldshut führen lässt. Abends ist von Seilern bei Saint-Contest zu Gast.