21.7.14

Abfuhr für die katholischen Eidgenossen

Seit dem eidgenössischen Konfessionskrieg von 1712 findet die Tagsatzung im reformierten Frauenfeld und nicht mehr im katholischen Baden statt. Nach der Abnahme der Jahresrechnung über die Gemeinen Herrschaften begeben sich die Tagsatzungsherren der katholischen Orte nach Baden. Sie wollen die Dominanz der katholischen Mächte auf dem Kongress dazu nutzen, ihren Besitzstand vor dem 1712er-Krieg wiederzugewinnen.

Aber die kaiserlichen Gesandten weisen die Anreisenden ab, angeblich, um die Reformierten nicht in Rage zu bringen, in Tat und Wahrheit aber, weil die katholische Innerschweiz über Militärpensionen nach wie vor mit Spanien verbandelt ist, das dem Kaiser eben verloren gegangen ist. Die Absage trifft ein, kurz bevor die Tagsatzungsherren die Stadt Baden erreichen. Immerhin werden einige von ihnen inkognito von du Luc empfangen. Doch letztlich ist auf dem Friedenskongress zu Baden von den katholischen Eidgenossen gar nichts zu erreichen.

20.7.14

Durchbruch im Kapuzinergarten?

Von Seilern lässt sich morgens von seinem Kollegen über die geheimen Gespräche vom Vorabend aufdatieren. Fast den ganzen Tag verbringen die beiden Kaiserlichen beieinander. Um sechs Uhr abends treffen sich die vier Hauptbevollmächtigten im Kapuzinergarten zu geheimen Gesprächen, die über eine Stunde dauern.

An die Öffentlichkeit dringt nichts von den Verhandlungen. Einzig weiss man gerüchtehalber, dass der von du Luc nach Paris geschickte Extrakurier heute beim König eingelangt ist und dass der Marschall de Villars, der später den Frieden für Frankreich unterzeichnen soll, verschiedene Male im königlichen Kabinett vorgesprochen haben soll.

19.7.14

Annäherung bei den Kapuzinern

Nach der Konferenz, die wie immer von neun bis elf Uhr dauert, begibt sich Seilern wie gewöhnlich in die Pfarrkirche, um der Messe seines Kaplans beizuwohnen. Sein Kollege von Goëss hingegen beginnt, um sieben Uhr morgens den Gottesdienst in der Kapuzinerkirche zu besuchen. Ein Zeichen der Annäherung an die Franzosen, die ebenfalls dort zur Messe gehen?
Seilern lässt wieder grossartig auftischen heute, 14 Speisen sind es, und die zehn Gäste werden ausschliesslich aus purem Silbergeschirr verköstigt.

Abends fährt Seilern mit seinem Hofstaat auf die Matte beim Hinterhof. Dort treffen auch andere Gesandte und deren Frauen ein. Eine Stunde lang unterhält man sich dort. Währenddessen erfolgen die wirklich wichtigen Gespräche im Kapuzinergarten: Dort befinden sich von Goëss, du Luc und Saint-Contest um Geheimes zu besprechen, bis die einfallende Nacht sie zur Rückkehr veranlasst.

18.7.14

Grosses Mittagessen im Kloster Wettingen

Der kölnische Gesandte, Freiherr Johann Friedrich Ignaz Karg Freiherr von Bebenburg (Ende 60) testet die Küche des Klosters Wettingen. Er lässt dort ein mehrstündiges Mittagsmahl richten, mit dem er verschiedene andere Diplomaten günstig stimmen will. Den jugendlichen päpstlichen Gesandten Passionei (32) lässt er in einer mit sechs Rappen bespannten Kutsche ins Kloster führen. Der französische Bevollmächtigte Saint-Contest, der bayrische Gesandte Johann Alois Freiherr von Malknecht, der Gesandte von Lüttich und andere kommen in ihren eigenen Gefährten.

Nach 19 Uhr begeben sich die kaiserlichen Botschafter auf die Wiese in der Pfaffechappe. Saint-Contest folgt ihnen. Sie unterhalten sich dort auf ungezwungene Weise eine Weile.

17.7.14

Spinola auf Visite

Der gestern angekommene Herzog von St. Pierre legt bei den kaiserlichen Bevollmächtigten seine Visite ab.

16.7.14

Italienischer Kleinfürst mit grossem Hofstaat

Im Weissen Kreuz an der Weiten Gasse ist heute Franz Maria Spinola, Herzog zu St. Pierre, abgestiegen. Er stammt aus einem der grossen Geschlechter Genuas und vertritt seine eigenen Interessen, eines kleinen Territoriums in Oberitalien. Begleitet sind er und seine Frau von einem für seine Bedeutung übertriebenen Hofstaat, mehreren Offizieren und Bediensteten.

15.7.14

Der päpstliche Gesandte macht seine Visiten

Der Vertreter des Papstes, Domenico Passionei, macht heute seine Visiten bei den kaiserlichen Bevollmächtigten. Diese empfangen ihn eher kühl, denn instruktionsgemäss stellt sich Passionei gegen eine Ausdehnung habsburgischer Macht auf der italienischen Halbinsel.