10.7.14

Das Hochzeitspaar aus Paris

Bereits um acht Uhr morgens trifft der österreichische Botschafter Trauttmansdorff wiederum in Baden ein. Um neun beginnt die übliche Dienstagskonferenz auf dem Rathaus, du Luc ist wieder wohlauf und nimmt teil.
Das Mittagessen im Roten Turm vereint neben Seilern und Trauttmansdorff den Prince dʼAuvergne, den Prinzen von Sachsen-Saalfeld, den Landgrafen von Hessen-Rheinfels, den Felddoktor Haag (wohl aus dem Hauptquartier der kaiserlichen Armee, das zwischen Stadt und Bädern campiert) und einen fremden Kavalier. Um sechs fährt Seilern den Grafen von Trauttmansdorff in die Bäder hinunter, wo dieser sein Schiff nach Waldshut besteigt.

Nach fünfwöchiger Abwesenheit trifft der Sohn du Lucs, Gaspard-Madelon-Hubert (27), Oberst der französischen Armee, wieder in Baden ein. Am 5. Juni ist er nach Paris gereist, um zu heiraten. Ihm und seiner Frau Marie-Charlotte schickt der Vater eine sechs- und eine vierspännige Kutsche, mehrere Sänften und Reitpferde und zahlreiche Offiziere und Bedienstete entgegen. Abends um acht Uhr zieht das Hochzeitspaar durch das Bruggertor in die Weite Gasse ein.

8.7.14

Würfel suchen ist wie Trüffel suchen

Nach sonntäglichem Mittagsmahl gibt es heute eine besondere Badener Attraktion: Gegen Abend begeben sich die kaiserlichen Gesandten, die französischen Damen und weitere Offiziere und Bedienstete zum sogenannten Würfelplatz. Dieser liegt am nordöstlichen Fuss des Schlosses Stein, «im Gstühl». Hier lässt die noble Gesellschaft durch Knaben die sogenannten Badener Würfel suchen. Ob die Damen und Herren wissen, dass mit ihnen Schindluder getrieben wird?

Jahrzehnte zuvor sollen hier erstmals Würfel aus Knochen gefunden worden sein. Diese haben etwa einen Zentimeter Kantenlänge und sind auf den Seitenflächen mit einem bis sechs Punkten bezeichnet. Man interpretiert sie als Spielwürfel römischer Soldaten, aber es gibt davon bald immer mehr: Sie werden als Belustigung und Sammlerobjekt für die Badegäste hergestellt und vergraben. Und es wird behauptet, sie wüchsen hier.

7.7.14

Bücklinge auf dem Kirchplatz

Graf du Luc ist heute unpässlich, er bleibt der Konferenz fern. Als von Seilern nach der Messe die Pfarrkirche verlässt, treten ihm auf dem Kirchplatz die beiden jungen Grafen von Stühlingen entgegen und stellen sich ehrerbietig vor. Die beiden sind heute Morgen sechsspännig angereist. Von Seilern empfängt sie freundlich und lädt sie gleich zur Mittagstafel ein, samt ihren zwei geistlichen Hofmeistern, die sie auf ihrer Kavalierstour begleiten. Sie werden morgen wieder abreisen.

6.7.14

Die Stadt ist bis unter die Dächer gefüllt

Heute gibt es keine Nachrichten vom Kongress und dem Gesellschaftsleben. Es ist Freitag und kein Konferenztag.

Nachdem in den letzten Tagen laufend weitere Gäste angekommen sind, zuletzt am 4. Juli einige Offiziere und Damen, die zum Gefolge des Herzogs von Montbéliard gehören, ist in der Stadt Baden jetzt wohl jedes Zimmer ausgemietet. Die Einheimischen haben Platz gemacht, Zimmer abgetreten und Nebenräume für Bedienstete hergerichtet. Es dürfte ein gutes Geschäft sein, etwas vermieten zu können. Auch andere Dienstleistungen werden von Badenerinnern und Badenern erbracht: Wer stellt die Dienstleute, wer kocht, wer putzt, wer sorgt für frische Lebensmittel?

5.7.14

Alles in normalen Bahnen

Heute ist wie gewöhnlich Konferenz, und abends vergnügen sich verschiedene Hauptakteure mit einigen Damen unterhalb des Kapuzinerklosters, in der Pfaffechappe.

4.7.14

Der Prinz von Sachsen-Saalfeld inkognito in Baden

Schon vor einigen Tagen ist ein nobler Herr, der sich inkognito hält, im Gasthof zur Waage an der Weiten Gasse abgestiegen, sieben Personen im Gefolge. Erst jetzt wird er erkannt, als er dem Grafen von Goëss eine Visite gibt und vor dem Haus vom Gastgeber laut vernehmlich tituliert wird: Es ist der Sohn des Herzogs von Sachsen-Saalfeld, Prinz Christian Ernst (31). Er nimmt nicht eigentlich am Kongress teil, sondern macht eine Reise nach Zürich und Einsiedeln und wird morgen wieder in Baden zurückerwartet.

3.7.14

Lothringen lädt ein

Nach der Konferenz lädt der lothringische Gesandte die kaiserlichen und französischen Bevollmächtigten zu einem Mittagsmahl ein, um sie für seinen Standpunkt einzunehmen. Joseph le Bègue, Comte de Germiny, wohnt mit seiner Gemahlin in der Stadtkanzlei, also direkt neben dem Rathaus.