26.6.14

Der neue Wagen bleibt in der Garage

Nach der Konferenz lädt Saint-Contest die vier Hauptbevollmächtigten zu Tisch. Auf den Abend ist eine Spazierfahrt angesagt. Von Seilern würde zu gern seinen neuen Wagen den französischen Damen vorführen und hat ihn schon anspannen lassen. Doch die Spazierfahrt wird aus unbekannten Gründen abgesagt.

Der Weihbischof und Domdekan des Domstifts Basel trifft als Gesandter in Baden ein. Er nimmt im Pfarrhaus Quartier.

25.6.14

Der Stifter der Nepomuk-Statue auf Kurzvisite

Nach Konferenz und Messe lädt von Seilern heute eine sehr gemischte Gesellschaft zu Tisch: den Gesandten von Hessen-Kassel, einen Jesuit aus Strassburg, den in wenigen Tagen abtretenden Landvogt Hieronymus Thormann und den Badener Schultheissen Kaspar Ludwig Schnorff.

Franz Ehrenreich Graf von Trauttmansdorff (52), der langjährige kaiserliche Botschafter bei der eidgenössischen Tagsatzung, kommt von Waldshut her in Baden an, und zwar auf dem Wasserweg. Bei der Linde hinter dem Hinterhof, wo abends jeweils spaziert wird, legt er an. Von Seilern lässt ihn in einer mit sechs Rappen bespannten Kutsche dort abholen. Von Trauttmansdorff isst bei von Goëss zu Mittag. Gegen Abend fährt er wieder zu Wasser nach Waldshut ab. Trauttmansdorff ist der Stadt Baden sehr verbunden: Er hat ihr 1707 die Sandsteinstatue des Heiligen Nepomuk geschenkt, die bei der hölzernen Brücke aufgestellt ist.

24.6.14

Köstliche Düfte rund um den Cordulaplatz

Am heutigen Sonntag, dem Festtag Johannes des Täufers, ist keine Konferenz. Mittags lädt der französische Bevollmächtigte Saint-Contest zu einem herrlichen Mittagsmahl: 14 Speisen werden in den Kochlokalitäten zubereitet, die rund um das «Paradies», die Residenz des Franzosen, eingerichtet worden sind. Im Festsaal schwelgen die Gesandten von Köln, Bayern, Lothringen und Hessen-Darmstadt neben weiteren Personen aus ihrem Gefolge von eins bis fünf Uhr.
Der Gesandte von Lothringen hat einige Badener als Bedienstete angestellt. Sie dürfen heute erstmals die neue, mit Silberschnüren reichlich besetzte Dieneruniform anziehen.

Ein weiterer Gesandter trifft ein: Graf von Bergomi, Gesandter von Modena. Mit seiner Ehefrau bezieht er das Haus zum Babylonischen Turm an der Rathausgasse, direkt neben dem Roten Turm.

23.6.14

Alles deutet auf einen guten Verlauf hin

Aus dem Fortgang der Konferenz schliesst der Beobachter, dass alles seinen guten Fortgang nimmt. Welche Informationen oder Gerüchte stehen ihm hierzu wohl zur Verfügung?
Wiederum kommt ein Gesandter an: Der Baron von Wansoule, Domherr in Lüttich und Botschafter seines Domstifts nimmt Quartier im «Löwen», an der Ecke von Weiter Gasse und Rathausgasse.

22.6.14

Im Kongresstrott: Konferenz, heilige Messe, dann das leibliche Vergnügen

Alles verläuft in normalen Bahnen: Um neun ist Konferenz auf dem Rathaus, danach nehmen die Kaiserlichen in der Stadtkirche an der Messe teil, wie fast jeden Tag.

Zu Mittag essen bei von Seilern der Gesandte der Kurfürsten von Trier, der Botschafter der Republik Genua und ein ungenannter Jesuit. Auch in den anderen Residenzen werden Gäste zu Tisch gewesen sein.

21.6.14

Der betagte Abt von Einsiedeln zu Besuch

Um neun ist wieder Konferenz auf dem Rathaus. Der Abt von Einsiedeln ist heute zu Besuch. Er macht den kaiserlichen und französischen Botschaftern nacheinander die Visite. Maurus von Roll stammt aus solothurnischem Patriziat und ist der Erbauer der neuen Klosteranlage von Einsiedeln. 1702 hat er seinen Konvent beschliessen lassen, den Bau der gewaltigen Anlage zu wagen. Nun ist sie zu zwei Dritteln fertig. Mit dem Kirchenbau ist allerdings noch nicht begonnen worden.

Von Roll (61) ist zwar gleich alt wie du Luc, aber bei weitaus schlechterer Gesundheit. Es werden seine letzten Lebenswochen sein; am 29. August 1714 wird er das Zeitliche segnen. Graf von Seilern trägt dem hohen Alter seines Gasts Rechnung, indem er den Abt nicht zwei Stiegen hinaufsteigen lässt, sondern ihn bereits oberhalb der ersten empfängt.

20.6.14

Die Post als tagesfüllendes Ereignis

Wiederum ist Mittwoch, und die Konferenz fällt aus, weil die Gesandtschaften ihre Herren per Post informieren müssen. Die Expedition der Post ist ein Ereignis. Der kölnische Geandte, so erfährt man, hat einen Kurier nach Valenciennes abgeschickt. Wie sollen wir das deuten? Und überhaupt: Warum weiss das der Badener Tagebuchschreiber?