Wie
immer um neun Uhr vormittags ist auf dem Rathaus Konferenz. Weitere Gesandte
kommen in Baden an: von Darmstadt, von Württemberg, von Parma. Insgesamt nehmen
rund 80 Diplomaten am Kongress teil. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Es gibt
guten Verdienst für solche, die etwas zu vermieten haben.
Erleben Sie den Friedenskongress Tag für Tag. Der Badener Caspar Joseph Dorer führt für Sie Tagebuch.
11.6.14
10.6.14
Grosses Bankett im Roten Turm
Heute
Sonntag lässt der kaiserliche Bevollmächtigte von Seilern ein grossartiges
Bankett geben. Der französische Gesandte du Luc muss sich allerdings
entschuldigen lassen: Er leidet unter einem schmerzhaften Gichtanfall an seinen
Zehen (Podagra) und liegt im Bett. Aber sein Kollege de Saint-Contest, der
kaiserliche Bevollmächtigte Graf von Goëss mit seinem 15-jährigen Sohn, der
Legationssekretär Penterriedter sowie die Gesandten von Köln, Bayern und
Hessen-Kassel sind anwesend. Pagen, Bedienstete und Offiziere zu Hauf schwirren
umher. In barocker Manier wird die Tafel zweimal mit Platten voller Speisen
gefüllt, danach nochmals mit Konfekt.
9.6.14
Gespräche um Militärpensionen am Rand des Kongresses
Heute
ist die vierte Konferenz auf dem Rathaus. Wiederum erfährt die Öffentlichkeit
nicht, was da verhandelt wird. Dem Vernehmen nach halten die Kaiserlichen stur
an dem fest, was sie im Präliminarfrieden von Rastatt erreicht haben.
Landammann
Beat Jakob Zurlauben von Zug (54) kommt mit einer Delegation und zwölf Pferden
in Baden an. Er ist Militärunternehmer im Dienste Frankreichs und Spaniens und
will mit dem französischen Bevollmächtigten du Luc über finanzielle Dinge in
diesem Zusammenhang sprechen. Wie andere erhofft er sich, am Kongress in bilateralen
Gesprächen eigene Interessen verfolgen zu können.
8.6.14
Die dritte Konferenz
Um
neun Uhr wird auf dem Rathaus wiederum Konferenz gehalten. Die Gespräche finden
bilateral zwischen den Kaiserlichen und den Franzosen statt. Diese hören die
Vertreter der Drittstaaten nur separat an. Zusammenkünfte aller Diplomaten sind nicht
vorgesehen. Die Verhandlungen finden in Französisch und hinter geschlossenen
Türen statt. Die Badener Bevölkerung erfährt nichts von ihrem Inhalt.
7.6.14
Die Bagage von Saint-Contest in 74 Wagen
Von
neun bis elf Uhr halten die vier Bevollmächtigten und ihre Legationssekretäre
die zweite Konferenz auf dem Rathaus ab. Um zehn Uhr geht der kaiserliche
Kabinettskurier per Postkutsche nach Wien ab.
Der
Dompropst legt bei den kaiserlichen Bevollmächtigten im Namen des Fürstbischofs
von Basel das Kompliment ab. Und abends kommt die Bagage des Seigneur de
Saint-Contest an. Sie umfasst 74 Wagen, dazu über 50 Pferde und Bedienstete.
6.6.14
Der Badener Rat begrüsst die Bevollmächtigten
Weitere
Gesandte kommen an: zwei Komture des Deutschen Ordens sowie der Dompropst des Fürstbistums
Basel.
Nachmittags
begrüssen die Behörden der Stadt Baden ihre Gäste. Sie werden angeführt von den
beiden Herren Schultheissen, Johann Ulrich Dorer (66) und Kaspar Ludwig
Schnorff (72). Vier Abgeordnete des Kleinen Rats (des Stadtrats) begleiten sie
zu den kaiserlichen und französischen Gesandten.
5.6.14
Der erste Konferenztag
Heute
beginnt der Friedenskongress ganz offiziell. Um neun Uhr treten die vier
Bevollmächtigten des Kaisers und des französischen Königs samt ihren
Legationssekretären im Rathaus zusammen. Die drei in der Grafschaft Baden
regierenden Stände Zürich, Bern und Glarus haben für den Kongress die sogenannte
Eidgenossenstube, den Tagsatzungssaal, mit grünem Tuch tapezieren lassen. Die
erste Konferenz dauert zwei Stunden und ist von Formalien geprägt. Die beiden
Delegationen legen gegenseitig ihre Komplimente ab und weisen ihre Vollmachten
vor. Nach der Konferenz wohnen die Kaiserlichen in der Stadtpfarrkirche, die
Franzosen aber in der Kirche des Kapuzinerklosters der heiligen Messe bei.
Der
Sohn des französischen Bevollmächtigten du Luc reist ab, um sich in Paris
zu verheiraten. Gleichzeitig trifft Madame de Saint-Contest, die Frau des
anderen französischen Gesandten, ein. Ihr Mann lässt ihr und ihrem Gefolge vier
Sänften entgegenschicken.
Die Offiziellen der Grafschaft Baden legen bei beiden Hauptdelegationen
ihre Höflichkeitsvisite ab:seine Hochwürden der Abt von Wettingen, Franz Baumgartner
(62), und der Landvogt in Baden, der Berner Hieronymus Thormann (56), begleitet
vom Landschreiber der Grafschaft Baden und dem Untervogt.
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