6.6.14

Der Badener Rat begrüsst die Bevollmächtigten

Weitere Gesandte kommen an: zwei Komture des Deutschen Ordens sowie der Dompropst des Fürstbistums Basel.


Nachmittags begrüssen die Behörden der Stadt Baden ihre Gäste. Sie werden angeführt von den beiden Herren Schultheissen, Johann Ulrich Dorer (66) und Kaspar Ludwig Schnorff (72). Vier Abgeordnete des Kleinen Rats (des Stadtrats) begleiten sie zu den kaiserlichen und französischen Gesandten.

5.6.14

Der erste Konferenztag

Heute beginnt der Friedenskongress ganz offiziell. Um neun Uhr treten die vier Bevollmächtigten des Kaisers und des französischen Königs samt ihren Legationssekretären im Rathaus zusammen. Die drei in der Grafschaft Baden regierenden Stände Zürich, Bern und Glarus haben für den Kongress die sogenannte Eidgenossenstube, den Tagsatzungssaal, mit grünem Tuch tapezieren lassen. Die erste Konferenz dauert zwei Stunden und ist von Formalien geprägt. Die beiden Delegationen legen gegenseitig ihre Komplimente ab und weisen ihre Vollmachten vor. Nach der Konferenz wohnen die Kaiserlichen in der Stadtpfarrkirche, die Franzosen aber in der Kirche des Kapuzinerklosters der heiligen Messe bei.

Der Sohn des französischen Bevollmächtigten du Luc reist ab, um sich in Paris zu verheiraten. Gleichzeitig trifft Madame de Saint-Contest, die Frau des anderen französischen Gesandten, ein. Ihr Mann lässt ihr und ihrem Gefolge vier Sänften entgegenschicken.

Die Offiziellen der Grafschaft Baden legen bei beiden Hauptdelegationen ihre Höflichkeitsvisite ab:seine Hochwürden der Abt von Wettingen, Franz Baumgartner (62), und der Landvogt in Baden, der Berner Hieronymus Thormann (56), begleitet vom Landschreiber der Grafschaft Baden und dem Untervogt.

4.6.14

Zürich und Bern schicken eine Wachtmannschaft

Der kaiserliche Bevollmächtigte Graf von Goëss erstattet heute mit allen seinen Offizieren, Pagen und Lakaien den beiden französischen Gesandten die Gegenvisite. Danach tafeln sie gemeinsam im Bernerhaus. Im Anschluss daran überreichen die beiden Abordnungen einander die Verhandlungsvollmachten des Kaisers beziehungsweise des französischen Königs in beglaubigten Kopien. Morgen beginnen die Verhandlungen.

Gegen Abend kommen 40 Mann zürcherischer und bernischer Truppen in Baden an. Sie werden im Parterre des Rathauses einquartiert, wo sie die Wache für die Konferenzen übernehmen werden.

Ferner trifft heute mit der Postkutsche der Gesandte von Hessen-Kassel ein.

3.6.14

Eine inoffizielle Unterredung der Offiziellen

Es ist Sonntag. Wieder speist Graf von Goëss bei Graf von Seilern im Roten Turm. Auch andere vornehme Gäste sind zugegen.

Nach der Tafel, gegen vier Uhr nachmittags, empfangen die kaiserlichen Bevollmächtigten die beiden französischen Gesandten du Luc und de Saint-Contest. Diese sind von 27 Offizieren und gegen 40 Bediensteten sowie etlichen Pagen in Livré begleitet. Damit treffen erstmals die vier Hauptbevollmächtigten zusammen. Sie begrüssen einander an der Treppe des Roten Turms mit grosser Höflichkeit und freundschaftlichen Gesten. Du Luc und von Goëss stellen bei dieser Gelegenheit den anderen Gesandten ihre Herren Söhne vor. Darauf begeben sich die vier Bevollmächtigten zu einer Unterredung ins Audienzzimmer des Roten Turms. Nach drei Viertelstunden kehren die Franzosen in ihre Logements zurück.

2.6.14

Erste Gespräche innerhalb der Delegationen

Der französische Bevollmächtigte de Saint-Contest lässt sich heute im Tragsessel vom Paradies zum Roten Turm bringen, um dort Graf von Seilern seine Gegenvisite abzustatten. Er ist von allen seinen Offiziere und Bediensteten begleitet. Nach einer halben Stunde ist das Treffen beendet. De Saint-Contest besucht noch kurz die Gesandten von Köln, Savoyen, Lothringen und Bayern, die ihm bereits ihre Aufwartung gemacht haben, zur Gegenvisite. Danach lässt er sich ins Paradies zurücktragen.

Die beiden kaiserlichen Bevollmächtigten essen heute im Roten Turm gemeinsam zu Mittag. Anwesend sind auch der Sohn von Graf von Goëss, Anton Oswald (15), der lothringische Gesandte und der kaiserliche Legationssekretär Penterriedter (36). Dabei werden wohl Gespräche über die Vorgehensweise bei den kommenden Verhandlungen geführt.

1.6.14

Freundliche Visiten und Gegenvisiten allerseits

Gegen Abend besucht Graf von Seilern den französischen Bevollmächtigten de Saint-Contest im Haus zum Paradies und heisst ihn in der Kongressstadt willkommen.

Um 20 Uhr trifft seine Exzellenz Graf von Goëss (47) mit einigen Offizieren und Dienern von Waldshut her in Baden ein. Seine Bagage und einige von seinen Leuten sind schon hier. Sein Sohn Anton Oswald (15) ist kurz vor ihm in Baden angekommen. Gleich beim Bezug des Quartiers im Gasthof zum Wilden Mann wird Graf von Goëss von seinem Kollegen Graf von Seilern willkommen geheissen.

31.5.14

Allerlei Prozessionen

Heute ist Fronleichnam, in Baden ein hoher Feiertag. Das Allerheiligste wird in der grossen Turmmonstranz unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung durch die Stadt getragen. Mittags reitet der zweite französische Bevollmächtigte, seine Exzellenz der Seigneur de Saint-Contest (46), in der Stadt ein. Er bezieht im Haus zum Paradies Quartier.

Nach 16 Uhr erstattet der französische Bevollmächtigte Graf du Luc dem kaiserlichen Gesandten Graf von Seilern seine Gegenvisite. Er unterstreicht den offiziellen Charakter dieses Besuchs, indem er sich in einem Tragsessel vom Bernerhaus zum Roten Turm bringen lässt. Er ist von allen seinen Offizieren und Dienern begleitet.