5.9.14

Mittagessen in angespannter Erwartungshaltung

In Ermangelung eines Kurznachrichtendienstes, der zeitnah mitteilen könnte, wie weit von Baden entfernt Prinz Eugen noch ist, setzt man sich zum Mittagessen. Im Roten Turm bei Graf von Seilern speisen die kaiserlichen Generäle: der Herzog von Arenberg (24), die Fürsten von Ligne (28 und 29), Hieronymus von Erlach (47, Schwiegersohn des Berner Schultheissen), Graf von der Mark (34). Von Seilern befiehlt, seinen neuen Wagen und die sechs Rappen mit dem sauberen Geschirr bereit zu halten.

Prinz Eugen in Schaffhausen mit Salut empfangen

Mit sechs Postkutschen trifft in der Früh Prinz Eugen in Schaffhausen ein. Die Geschütze auf dem Munot schiessen Salut, die Bürgerschaft steht im Gewehr auf den Gassen, und der städtische Rat heisst den Prinzen willkommen. Prinz Eugen ist liebenswürdig wie immer, doch lässt er nur die sechs mal sechs Pferde wechseln und setzt schleunigst seine Reise nach Baden fort.

Derweil befiehlt um sieben Uhr morgens in Baden der General von Falckenstein (84), seine Kutsche mit sechs Pferden fertig zu halten. Gleich darauf fährt er mit einem weiteren General und vier zusätzlichen Pferden dem Prinzen Eugen entgegen.

4.9.14

Poker um die erste Ankunft

Marschall de Villars, der für den französischen König Ludwig XIV. den Friedensvertrag unterzeichnen soll, ist inzwischen in Brugg eingetroffen. Dort bleibt er, denn er fühlte sich gegenüber Prinz Eugen zurückgesetzt, wenn er zuerst in Baden einträfe. Es ist ein Spiel um Rang und Ansehen. Damit der Marschall im Roten Haus zu Brugg nicht darben muss, wird er von Baden aus mit Speis und Trank versorgt.

Nach zehn Uhr vormittags reitet der junge Graf von Goëss (15) nebst einem Offizier und einem Bediensteten mit der Post nach Schaffhausen, um Prinz Eugen dort zu empfangen und nach Baden zu geleiten. Entgegen früherer Nachricht ist erst für morgen mit der Ankunft des Prinzen in Baden zu rechnen. In der Nacht wird noch eine Stafette von Begleitpersonal von Baden nach Schaffhausen geschickt.

3.9.14

Ankunft des Prinzen Eugen bereits morgen?

Heute trifft ein Kurier ein, der die Ankunft ihrer hochfürstlichen Durchlaucht, des Prinzen Eugen, auf morgen Dienstag, den 4. September, in Aussicht stellt. In Schaffhausen sollen für den Prinzen 36 Postpferde bestellt worden sein.

Die Nachricht wird mit Freude, aber auch mit Gelassenheit zur Kenntnis genommen: Das diplomatische Personal tafelt mittags und abends eifrig und in wechselnder Zusammensetzung, macht Besuche und wohnt der Komödie im Schützenhaus bei.

2.9.14

Entspannte Atmosphäre

Das Zelt im Garten des Schnorff’schen Sommerhauses kann man offenbar mieten. Heute ist der Monseigneur Passionei (32), der päpstliche Gesandte, Gastgeber. Wir wüssten zu gern, wer den Auftrag für das Catering bekommen hat. Es ist ja kaum anzunehmen, dass die Haushälterin des Pfarrers, wo Passionei eine Kammer belegt, die feine Gesellschaft im Zelt bekocht. Verschiedene hohe Kongressbesucher findet man abends im Theater, während von Goëss und Saint-Contest sowie weitere Gesandte im Kapuzinergarten lustwandeln.

1.9.14

Vielleicht sogar Freundschaft

Da sich die Vertragsparteien nun geeinigt haben, kann man freundschaftlicher miteinander umgehen. Ein Ausdruck davon ist es, dass die kaiserlichen Exzellenzen sich heute nicht die Messe in der Stadtkirche lesen lassen, sondern sich samt ihrem Kaplan dazu in die Kapuzinerkirche verfügen, wo normalerweise die Franzosen niederknieen. Und es scheint fast, dass die beiden jüngeren Hauptbevollmächtigten beider Vertragsparteien, Saint-Contest (46) und von Seilern (39), einander gut mögen. Es kommt nun schon zum wiederholten Mal vor, dass gerade diese beiden sich zum Essen zusammensetzen.

Zu vermelden ist auch, dass der glücklose Herzog von Montbéliard, der am Kongress nichts erreicht hat und am 14. August abgereist ist, heute wieder in Baden eintrifft. Hat er seine Zahnbürste vergessen? Nein, im Ernst: Das Spektakel, das sich mit der Ankunft der beiden Kontrahenten Prinz Eugen und Marschall de Villars ankündigt, ist zu attraktiv, um fernzubleiben. Besonders wenn man sich erhofft, doch noch das eine oder andere Ohr für eigene Angelegenheiten zu finden.

31.8.14

Die Unterzeichnung des Friedens wird vorbereitet

Heute sind Aktivitäten im Gang, die ganz eindeutig dazu dienen, die Ankunft des Prinzen Eugen und das genaue diplomatische Protokoll zu besprechen, das rund um die Unterzeichnung des Friedensvertrags in Anwendung kommen soll. Von Seilern bespricht sich ausführlich mit von Goëss, und beide empfangen nacheinander die beiden jungen Fürsten von Ligne (28 und 29), die vorgestern eingetroffen sind und als hohe Militärs quasi die Vorhut des Prinzen Eugen darstellen. Der Empfang ist, obwohl sie aus dem eigenen Lager stammen, förmlich: Von Seilern empfängt sie oben an der Treppe und geht mit ihnen ins Audienzzimmer.