28.8.14

Marschall de Villars nähert sich Baden

Schon bald seit vier Wochen wird jetzt keine Konferenz mehr gehalten. Alles wartet auf die Ankunft der zwei hohen Generäle, die das Friedenswerk unterzeichnen sollen. Der französische Bevollmächtigte, Marschall de Villars (61), soll sich vor einigen Tagen von Paris aus zu seinem Schloss Vaux-le-Vicomte begeben haben. Dieses Landgut liegt südöstlich von Paris, noch 500 Kilometer von Baden entfernt. Doch von dort aus habe de Villars die Reise nach Baden angetreten und sei in der Nacht auf heute in der französischen Festungsstadt Hüningen angelangt. Das ist vor den Toren Basels – noch 70 Kilometer bis Baden. Dort wahrt er Abstand; er will keinesfalls lange vor Prinz Eugen eintreffen.

27.8.14

Eine Flasche Wein ist schäbig; man bringe acht Saum!

Neben dem Herzog von St. Pierre und dem päpstlichen Gesandten Passionei sind fünf Franzosen heute Mittag bei Graf von Seilern zu Gast, darunter einer, der als der «disgracierte Poet» bezeichnet wird. Es handelt sich um Jean-Baptiste Rousseau (43), der nicht mit seinem jüngeren Namensvetter Jean-Jacques (erst gerade 2 Jahre alt) verwechselt werden darf. Jean-Baptiste Rousseau ist einer der besten französischen Lyriker seiner Zeit. Aber eben: er beschmutzt andere in seinen Gedichten, seine Spottverse sind gefürchtet.

Spektakulär das Geschenk, das der Markgraf von Baden-Durlach heute dem Grafen von Seilern macht: ein ganzes Fuder weissen und roten Markgräfler Weins, acht Saum, das sind so um die tausend Liter!

26.8.14

Glieder gut, Hirn schlecht

Heute trifft aus London eine neun Tage alte Zeitung ein, aus der hervorgeht, dass der Leichnam der Königin Anna geöffnet und einbalsamiert worden sei. Die Glieder des Leibs seien noch für sehr gut, das Hirn aber für schlecht befunden worden. Die Eingeweide seien am 16. August in der Kapelle König Heinrichs VII. in der Westminster Abtei beigesetzt worden.

25.8.14

Der Namenstag des Sonnenkönigs

Heute regnet es nur einmal. Der Einbruch des Herbsts, Ende des Badenfahrt-Wetters, kennen wir! Aber die Franzosen sind in Festlaune: Ihr König Ludwig XIV. hat Namenstag. Trompetenspiel schon am frühen Morgen. Die Lakaien ziehen alle mit neuer, properer Montur auf. Um elf Uhr reihen sich 36 von ihnen ein vor dem Bernerhaus, an die Spitze des Zugs, gefolgt von jungen Edelknaben. Dann die hohen königlichen Gesandten, Comte du Luc und Monsieur de Saint-Contest, in farbigen Kleidern, begleitet von den Fürsten von Auvergne und Castiglione, dann weitere Gesandte und eine Menge Offiziere. In dieser Formation ziehen sie zur Kapuzinerkirche, wo auf dem Hochaltar dreissig Wachskerzen brennen und der heilige Ludwig vom Altarblatt grüsst.
Um ein Uhr zurück im Bernerhaus, beginnt das prächtige Gastmahl. Ein Hauptmann aus dem Waadtland, der die Tochter des ehemaligen Landvogts Thormann angemacht hat, pöbelt gegen den jungen Grafen du Luc, aber der Zwischenfall wird von den Anwesenden abtempiert, indem sie allesamt von der Tafel aufstehen. Die Damen lassen sich darauf ins Theater tragen. Einige fahren in den Kutschen, ihnen folgt der ganze Hof. Die Komödie beginnt um 19 und dauert bis 22 Uhr.
Nach dem Theater startet bei Monsieur de Saint-Contest im Paradies ein Ball, und um Mitternacht geht dieser über in ein erneutes vornehmes Gastmahl. Erst um vier Uhr morgens geht die hohe Gesellschaft auseinander.

24.8.14

Widersprüchliche Berichterstattung

Heute sei der Abt von St. Blasien in Baden eingetroffen, erfährt man. Doch warum sollte Hochwürden drei Tage nach dem Besuch vom 21. nochmals kommen und erneut von Seilern zum Mittagsmahl eingeladen werden, ohne dass der Grund genannt, vermutet oder wenigstens ein Wörtchen wie «wiederum» hinzugegeben wird? Und warum wird berichtet, von Goëss, bei dem der Abt als Erstes sein Kompliment abgelegt habe, sei jüngst von einer Wallfahrt nach Maria Einsiedeln zurückgekommen, wo doch von Göess gestern bei der geheimen Unterredung im Kapuzinergarten war? Hingegen ist bereits am 20. berichtet worden, Goëss sei früh um sechs Uhr mit seinem Sohn und einigen Offizieren nach dem Wallfahrtsort abgereist. Da wird er doch wohl am gleichen Tag oder spätestens am 21. zurückgekommen sein.

Sind dem Tagebuchschreiber die Ereignisse oder die Tage ein wenig durcheinander gekommen? Können wir alles präzis so glauben, wie es uns berichtet wird? Oder müssen wir halt auch mal eine Fehleinschätzung oder einen kleinen Fehler in der Datierung hinnehmen?

23.8.14

Nachricht aus Wien: Ein neues Problem?

Mit der Post trifft heute ein Extrakurier von Wien ein, der sofort zu Graf von Goëss in den Wilden Mann eilt, wohin sich auch Graf von Seilern unverzüglich begibt. Daraufhin, so wird beobachtet, treffen sich die beiden Kaiserlichen mit dem Franzosen Saint-Contest im Kapuzinergarten und halten mit ihm über eine Stunde lang eine geheime Unterredung.

Niemand weiss, aber alle mutmassen, was hier an schlechter oder schwieriger Nachricht wohl eingelangt sein mag. Eine Unstimmigkeit im Vertrag? Eine zeitliche Verzögerung? Eine Forderung Wiens bezüglich der Formalitäten, die der Zustimmung der Franzosen bedarf? Nichtsdestotrotz begeben sich derweil die Französinnen, von vornehmen Kavalieren begleitet, ins «Commoedi-Hauss» auf dem Theaterplatz.

22.8.14

Die Vorläufer von Prinz Eugen unterwegs nach Baden

In Baden wartet man sehnlichst auf Nachrichten aus Wien. Wann endlich reist Prinz Eugen ab, um den Frieden zu unterzeichnen? Noch ist von Durchlaucht nichts zu vernehmen. Statt ihm, so hört man heute, haben aber zwei junge, hohe Militärs aus seinem Gefolge die Reise von Wien nach Baden angetreten, die beiden Fürsten von Ligne und Amblise. Sie gehören zum kaisertreuen belgischen Hochadel und haben sich im vergangenen Krieg militärisch ausgezeichnet. Claudius ist 29, sein Bruder Ferdinand 28 Jahre alt.