In den letzten Tagen ist im Sommerhaus des Schultheissen Schnorff vor dem
Mellingertor die Unterkunft für Prinz Eugen von Savoyen hergerichtet worden,
der bald erwartet wird, um den Frieden für den Kaiser zu unterzeichnen. Von
Seilern und der Sekretär der kaiserlichen Delegation, Penterriedter,
besichtigen die Vorbereitungen und kehren danach im «Paradies» bei
Saint-Contest ein.
Erleben Sie den Friedenskongress Tag für Tag. Der Badener Caspar Joseph Dorer führt für Sie Tagebuch.
18.8.14
17.8.14
Die evangelischen Gesandten enttäuscht
Der
Baden-Durlachische Gesandte reist heute ab. Er ist enttäuscht wie alle
evangelischen Gesandten. Sie wollten die sogenannte Religionsklausel
abgeschafft haben. Mit dieser Klausel in einem vorangegangenen Friedenswerk,
dem Rijswijker Frieden von 1697, hatte sich der französische König nur bereit
erklärt, besetzte Gebiete zurückzugeben, wenn sie katholisch blieben. Den
Katholizismus in diesen evangelischen Gebieten hatte er vorher mit Gewalt eingeführt.
Im Frieden von Baden wird nun diese Religionsklausel in Artikel 3 bestätigt.
Gehör haben die evangelischen Gesandten weder bei Frankreich noch bei den
Kaiserlichen gefunden.
16.8.14
Fast jeden Tag ins Theater
Heute
haben die Köche von Graf von Seilern wieder viel zu tun: Durch seine Pagen
lässt Exzellenz wiederum eine grosse Schar hochkarätiger Gäste zur Mittagstafel
bitten. Die anwesenden Damen beginnen nach der Mahlzeit mit dem Kartenspiel,
einige Herren machen mit. Sodann lassen sich die Damen in ihren
Tragsesseln die wenigen Schritte zum Schützenhaus auf der Schanze vor dem
Bruggertor bringen. Im dortigen Theatersaal wird jeden Tag eine Komödie gegeben,
der jeweils fast der ganze Kongress beiwohnt. Von Seilern lässt in der
Rathausgasse anspannen, sechsspännig natürlich, und fährt durch das Bruggertor
ebenfalls auf den Theaterplatz, um dem Schauspiel beizuwohnen.
15.8.14
Von Seilern eilt von Tafel zu Tafel
Die
gräflichen Exzellenzen von Seilern und von Trauttmansdorff speisen heute Mittag
wiederum bei von Goëss im Wilden Mann. Trauttmansdorff trifft danach noch
einige andere Gesandte und wird dann von Seilern in der Kutsche zur Schifflände
in den Bädern gebracht, von wo er sich auf der Limmat nach Waldshut führen
lässt. Abends ist von Seilern bei Saint-Contest zu Gast.
14.8.14
Der Herzog von Montbéliard reist unverrichteter Dinge ab
Man
erfährt, dass der Herzog von Württemberg-Mömpelgard enttäuscht ist, dass auch
er auf dem Kongress nichts für sein kleines, von Frankreich völlig umgebenes
Territorium hat erreichen können. Er reist ab, und man rechnet nicht damit,
dass er wieder kommt.
Mittags
kommt es zum Fünf-Gesandten-Mahl bei von Goëss, wo erstmals die vier
Hauptbevollmächtigten mit dem Grafen von Trauttmansdorff, dem Gesandten des
Kaisers bei der Eidgenossenschaft, zusammentreffen. Dieser ist vor drei Tagen angereist
und nun, nach verschiedenen eintägigen Kurzbesuchen, erstmals mehrere Tage in
Baden geblieben.
Um
fünf Uhr abends unternehmen die französischen Damen in ihren Karossen eine
Spazierfahrt ins Tägerhard, wo sie sich unter dem angenehmen Schatten der
Waldbäume verlustieren.
13.8.14
Die Königin von Grossbritannien zwischen Leben und Tod
Aus
England trifft heute die Nachricht in Baden ein, dass die britische Königin Anna
von einem Schlaganfall heimgesucht worden ist. Anna Stuart (49) ist Staatsoberhaupt
von Grossbritannien, das erst vor sieben Jahren aus dem Zusammenschluss von
England und Schottland entstanden ist.
Grossbritannien war im vergangenen Krieg bemüht, den Einfluss Frankreichs einzudämmen, hielt also eher zum Kaiser. Darum erweckt es Aufsehen, dass ihr Leben jetzt, wo der Friedensvertrag noch nicht unterzeichnet ist, an einem seidenen Faden hängt.
Sie habe durch den Schlaganfall die Sprache verloren. Man habe ihr Tinktur aus pulverisierten Spanischen Fliegen appliziert und sie zudem am Kopf und zwischen den Schultern geschröpft. Aber nach kurzer Besserung habe sich ihr Gesundheitszustand erneut verschlechtert. Deshalb seien Ober- und Unterhaus zusammengerufen, die Seehäfen geschlossen und die Stadtmiliz in London bewaffnet worden, um allem allfälligen Aufruhr bei ihrem Ableben entgegenzutreten.
Grossbritannien war im vergangenen Krieg bemüht, den Einfluss Frankreichs einzudämmen, hielt also eher zum Kaiser. Darum erweckt es Aufsehen, dass ihr Leben jetzt, wo der Friedensvertrag noch nicht unterzeichnet ist, an einem seidenen Faden hängt.
Sie habe durch den Schlaganfall die Sprache verloren. Man habe ihr Tinktur aus pulverisierten Spanischen Fliegen appliziert und sie zudem am Kopf und zwischen den Schultern geschröpft. Aber nach kurzer Besserung habe sich ihr Gesundheitszustand erneut verschlechtert. Deshalb seien Ober- und Unterhaus zusammengerufen, die Seehäfen geschlossen und die Stadtmiliz in London bewaffnet worden, um allem allfälligen Aufruhr bei ihrem Ableben entgegenzutreten.
12.8.14
Hochkarätiger Mittagstisch im Roten Turm
Die
Gäste, die heute Mittag in von Seilerns Residenz verköstigt werden, haben
klingende Namen: Es sind der Herzog von Montbéliard, Graf von Trauttmansdorff,
der Prinz von Hessen-Rheinfels, Graf von Goëss, sein Sohn, der Württembergische
Gesandte und der kaiserliche Geheimsekretär auf dem Kongress, Penterriedter. Was will man jetzt, wo der Friede ausgehandelt ist, noch tun als essen, essen, essen?
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