16.8.14

Fast jeden Tag ins Theater

Heute haben die Köche von Graf von Seilern wieder viel zu tun: Durch seine Pagen lässt Exzellenz wiederum eine grosse Schar hochkarätiger Gäste zur Mittagstafel bitten. Die anwesenden Damen beginnen nach der Mahlzeit mit dem Kartenspiel, einige Herren machen mit. Sodann lassen sich die Damen in ihren Tragsesseln die wenigen Schritte zum Schützenhaus auf der Schanze vor dem Bruggertor bringen. Im dortigen Theatersaal wird jeden Tag eine Komödie gegeben, der jeweils fast der ganze Kongress beiwohnt. Von Seilern lässt in der Rathausgasse anspannen, sechsspännig natürlich, und fährt durch das Bruggertor ebenfalls auf den Theaterplatz, um dem Schauspiel beizuwohnen.

15.8.14

Von Seilern eilt von Tafel zu Tafel

Die gräflichen Exzellenzen von Seilern und von Trauttmansdorff speisen heute Mittag wiederum bei von Goëss im Wilden Mann. Trauttmansdorff trifft danach noch einige andere Gesandte und wird dann von Seilern in der Kutsche zur Schifflände in den Bädern gebracht, von wo er sich auf der Limmat nach Waldshut führen lässt. Abends ist von Seilern bei Saint-Contest zu Gast.

14.8.14

Der Herzog von Montbéliard reist unverrichteter Dinge ab

Man erfährt, dass der Herzog von Württemberg-Mömpelgard enttäuscht ist, dass auch er auf dem Kongress nichts für sein kleines, von Frankreich völlig umgebenes Territorium hat erreichen können. Er reist ab, und man rechnet nicht damit, dass er wieder kommt.
Mittags kommt es zum Fünf-Gesandten-Mahl bei von Goëss, wo erstmals die vier Hauptbevollmächtigten mit dem Grafen von Trauttmansdorff, dem Gesandten des Kaisers bei der Eidgenossenschaft, zusammentreffen. Dieser ist vor drei Tagen angereist und nun, nach verschiedenen eintägigen Kurzbesuchen, erstmals mehrere Tage in Baden geblieben.

Um fünf Uhr abends unternehmen die französischen Damen in ihren Karossen eine Spazierfahrt ins Tägerhard, wo sie sich unter dem angenehmen Schatten der Waldbäume verlustieren.

13.8.14

Die Königin von Grossbritannien zwischen Leben und Tod

Aus England trifft heute die Nachricht in Baden ein, dass die britische Königin Anna von einem Schlaganfall heimgesucht worden ist. Anna Stuart (49) ist Staatsoberhaupt von Grossbritannien, das erst vor sieben Jahren aus dem Zusammenschluss von England und Schottland entstanden ist.
Grossbritannien war im vergangenen Krieg bemüht, den Einfluss Frankreichs einzudämmen, hielt also eher zum Kaiser. Darum erweckt es Aufsehen, dass ihr Leben jetzt, wo der Friedensvertrag noch nicht unterzeichnet ist, an einem seidenen Faden hängt.
Sie habe durch den Schlaganfall die Sprache verloren. Man habe ihr Tinktur aus pulverisierten Spanischen Fliegen appliziert und sie zudem am Kopf und zwischen den Schultern geschröpft. Aber nach kurzer Besserung habe sich ihr Gesundheitszustand erneut verschlechtert. Deshalb seien Ober- und Unterhaus zusammengerufen, die Seehäfen geschlossen und die Stadtmiliz in London bewaffnet worden, um allem allfälligen Aufruhr bei ihrem Ableben entgegenzutreten.

12.8.14

Hochkarätiger Mittagstisch im Roten Turm

Die Gäste, die heute Mittag in von Seilerns Residenz verköstigt werden, haben klingende Namen: Es sind der Herzog von Montbéliard, Graf von Trauttmansdorff, der Prinz von Hessen-Rheinfels, Graf von Goëss, sein Sohn, der Württembergische Gesandte und der kaiserliche Geheimsekretär auf dem Kongress, Penterriedter. Was will man jetzt, wo der Friede ausgehandelt ist, noch tun als essen, essen, essen?

11.8.14

Etwas Kleindiplomatie

Der jüngst angekommene zweite schwedische Gesandte, Erik Axelson Freiherr von Sparre (49), stattet heute den Hauptbevollmächtigten seinen Antrittsbesuch ab. Der Württembergische Gesandte erhält derweil zwischen 10 und 11 Uhr bei Graf von Seilern Audienz. Graf von Trauttmansdorff, der kaiserliche Gesandte für die Eidgenossenschaft, trifft wiederum von Waldshut in Baden ein und nimmt zusammen mit Seilern bei von Goëss das Mittagsmahl ein.

10.8.14

Der Herzog von Montbéliard kommt zu spät

Noch ein später Ankömmling, ein Prominenter: Herzog Leopold Eberhard (44) kommt höchstpersönlich von Montbéliard nach Baden, um zu retten, was seine drei Gesandten nicht hinbekommen haben. Das Herzogtum Württemberg-Mömpelgard ist ein Restbesitz, umgeben von französischem Territorium, das von einer Nebenlinie der Stuttgarter Herzöge regiert wird. Es war ein Aufmarschgebiet im soeben zu Ende gegangenen Krieg. Der Herzog kämpft um die Restitution seines vollständigen Besitzes. Er wird zwar von Seilern und von Goëss empfangen, aber er kommt zu spät und richtet nichts mehr aus.

Verschiedene Ausfahrten werden heute Abend unternommen: Die Damen du Luc und Martinville lassen sich in Sänften aufs Wettinger Feld tragen, während Saint-Contest mit seiner Frau, dem jungen Marquis du Luc und einem Ritter des Deutschen Ordens eine Ausfahrt in sechsspänniger Kutsche unternimmt.