11.8.14

Etwas Kleindiplomatie

Der jüngst angekommene zweite schwedische Gesandte, Erik Axelson Freiherr von Sparre (49), stattet heute den Hauptbevollmächtigten seinen Antrittsbesuch ab. Der Württembergische Gesandte erhält derweil zwischen 10 und 11 Uhr bei Graf von Seilern Audienz. Graf von Trauttmansdorff, der kaiserliche Gesandte für die Eidgenossenschaft, trifft wiederum von Waldshut in Baden ein und nimmt zusammen mit Seilern bei von Goëss das Mittagsmahl ein.

10.8.14

Der Herzog von Montbéliard kommt zu spät

Noch ein später Ankömmling, ein Prominenter: Herzog Leopold Eberhard (44) kommt höchstpersönlich von Montbéliard nach Baden, um zu retten, was seine drei Gesandten nicht hinbekommen haben. Das Herzogtum Württemberg-Mömpelgard ist ein Restbesitz, umgeben von französischem Territorium, das von einer Nebenlinie der Stuttgarter Herzöge regiert wird. Es war ein Aufmarschgebiet im soeben zu Ende gegangenen Krieg. Der Herzog kämpft um die Restitution seines vollständigen Besitzes. Er wird zwar von Seilern und von Goëss empfangen, aber er kommt zu spät und richtet nichts mehr aus.

Verschiedene Ausfahrten werden heute Abend unternommen: Die Damen du Luc und Martinville lassen sich in Sänften aufs Wettinger Feld tragen, während Saint-Contest mit seiner Frau, dem jungen Marquis du Luc und einem Ritter des Deutschen Ordens eine Ausfahrt in sechsspänniger Kutsche unternimmt.

9.8.14

Verspätete Gesandte

Man glaubt es nicht, aber es kommen immer noch Gesandte an, obwohl der Friedensvertrag unterwegs nach Wien und Paris ist. Während der Gesandte von Hessen-Darmstadt schon gestern abgereist ist, ist gleichentags der Vertreter des Schwäbischen Kreises, einer der Gebietskörperschaften des Reichs, eingetroffen. Es handelt sich um Johann Wilhelm Freiherr Schenck von Stauffenberg (62), den älteren Bruder des Fürstbischofs von Konstanz, der von Meersburg am Bodensee angereist ist und im «Engel» direkt neben dem Bruggertor Quartier bezogen hat. Heute kommt noch ein zweiter schwedischer Gesandter an. Er übernimmt im Haus zum Pflug an der Weiten Gasse die Unterkunft, die bis gestern der Gesandte von Hessen-Darmstadt benützt hat.

8.8.14

Warten und Essen

Jetzt, wo es kaum noch etwas zu besprechen gibt, kann nur noch vom Essen und von den Belustigungen der Kongressteilnehmer berichtet werden. Eine bunte Reihe verschiedener Gesandter isst im Roten Turm zu Mittag, 15 an der Zahl. Zum Nachtessen lässt Graf du Luc den Herzog von St. Pierre und seine Gemahlin mit Fackeln und Tragsesseln abholen. Das ist eine besondere Ehrerbietung an einen diplomatisch unwichtigen, aber von seiner Abstammung her hochstehenden Gast. Die beiden könnten gut zu Fuss gehen; die Distanz von ihrer Unterkunft zum Bernerhaus beträgt keine hundert Meter.

7.8.14

Der Friedensvertrag auf der Post nach Wien

Es täuscht nicht: Das Friedenswerk ist fertig. Gestern war gar nichts zu melden, und heute Dienstag wird nicht mal mehr Konferenz gehalten. Um ein Uhr mittags verlässt der Diener, der bei Graf von Goëss jeweils die Tafel deckt, mit der letzten Post die Stadt Baden als Extrakurier nach Wien. Bei sich im Gepäck: das versiegelte Instrumentum pacis, also der lateinische abgefasste Friedensvertrag, adressiert an Prinz Eugen von Savoyen (51). Der in Frankreich aufgewachsene Hochadlige und ruhmreiche Feldherr im Dienst des Kaisers sitzt im Zentrum der kaiserlichen Politik; er präsidiert den Hofkriegsrat und die Geheime Staatskonferenz. Er wird das Friedenswerk vom Kurier entgegennehmen und Ihrer Kaiserlichen Majestät überreichen. Der Kaiser wird, so ist zu erwarten, danach Prinz Eugen die Order erteilen, nach Baden abzureisen und dort den Vertrag zu unterzeichnen. Man hofft auf die Ankunft von Prinz Eugen zu Ende des Monats August.

Bis dahin ist Warten angesagt, und Warten kann man am besten, wenn man sich gut unterhält. So lädt der jugendliche Gesandte des Papstes, Domenico Passionei (32), heute du Luc und andere Gesandte zum Mittagsmahl ins Kloster Wettingen ein, während bei von Goëss im Wilden Mann ein anderes Bankett stattfindet.

5.8.14

Privataudienzen bei Graf von Seilern

Im Roten Turm geben sich die Diplomaten die Klinke in die Hand: Nachmittags ist der Herzog von St. Pierre über eine Stunde bei Graf von Seilern und bespricht mit ihm seine Geschäfte. Danach gewährt Seilern dem Gesandten des Fürstbistums Hildesheim eine Audienz. Hier geht es eigentlich um Politik für das bayrische Haus Wittelsbach. Dieses hat eine ganze Reihe von deutschen Fürstbistümern unter seinen Fittichen, darunter auch das Hochstift Hildesheim. Es geht um nicht weniger als um die Restitution des Hochstifts an den wittelsbachischen Landesherrn und Fürstbischof. Der junge Gesandte, Ernst Friedrich Freiherr Twickel (31), entstammt westfälischem Adel und ist seit dem jugendlichen Alter von 25 Jahren Domherr in Hildesheim.

4.8.14

Nicht mehr viel zu tun für den Friedensvertrag?

Auffällig wenig ist zu vermelden: gestern gar nichts und heute Samstag nur gerade eine Spazierfahrt der französischen Damen nach Wettingen, der sich Graf von Seilern anschliesst. Ein Stafettenkurier von Wien langt bei den kaiserlichen Botschaftern ein, und, wie samstags üblich, ist morgens Konferenz gehalten worden. Sind wohl heute die letzten Schnörkel am Friedensvertrag angebracht worden?