Von
Seilern, Saint-Contest und die Damen, die meist mit von der Partie sind,
verlustieren sich auch heute Abend wieder auf dem Lindenplatz hinter den Bädern.
Während Saint-Contest spaziert, vergnügen sich die anderen mit Würfelspiel und
Biribi. Das ist ein Glücksspiel, bei dem man auf eines von 36 nummerierten
Feldern setzen muss. Zieht der Croupier die richtige Karte, gewinnt man das
32fache.
Erleben Sie den Friedenskongress Tag für Tag. Der Badener Caspar Joseph Dorer führt für Sie Tagebuch.
24.7.14
23.7.14
Diplomatie beim Essen und Spazieren
Wieder
ein Tag mit vielen Unterhaltungen: Bei Seilern findet sich mittags eine sehr
gemischte Tischrunde ein, der auch Geistliche aus der Region angehören, so der
Propst von Klingnau und der Vikar in Kirchdorf, beides Benediktiner des
hierzulande begüterten Schwarzwaldklosters St. Blasien.
Abends
promenieren verschiedene Damen wieder auf der Matte beim Hinterhof und
vergnügen sich mit Badener Würfeln. Derweil lässt sich um acht Uhr der Graf du
Luc im Tragsessel zum Herzog von St. Pierre tragen, der nur einige Häuser
weiter an der Weiten Gasse logiert. Auch Saint-Contest kommt dorthin, und
schliesslich lädt das Ehepaar Saint-Contest den Herzog und seine Gemahlin zu
sich zum Abendessen ein.
22.7.14
Der Friede offenbar kurz vor dem Ziel
Wie
man erfährt, besteht ein weit gediehener Entwurf des Friedensvertrags, der in
lateinischer Sprache ausgestellt wird. Gestern haben die kaiserlichen
Bevollmächtigten ein Exemplar den französischen Gesandten übergeben. Der
Vertrag soll weitestgehend dem Rastatter Präliminarfrieden folgen. Einige
Artikel – es handle sich um den 12., den 15., den 30., den 32. und den 33.
Artikel – seien noch strittig. Die Kaiserlichen wollen offenbar stur an dem in
Rastatt Erzielten festhalten, die Franzosen hingegen zeigen sich den bayerischen
Begehren gegenüber unzugänglich.
Man
hofft, die Differenzen in den nächsten 14 Tagen auszuräumen. Zu diesem
Bestrebungen gehört vermutlich, dass heute der bayrische Gesandte einen Kurier
nach München abschickt, und die Botschafter Saint-Contest und Goëss wiederum
auf einen Spaziergang beim Kapuzinerkloster zusammenkommen.
21.7.14
Abfuhr für die katholischen Eidgenossen
Seit
dem eidgenössischen Konfessionskrieg von 1712 findet die Tagsatzung im reformierten
Frauenfeld und nicht mehr im katholischen Baden statt. Nach der Abnahme der
Jahresrechnung über die Gemeinen Herrschaften begeben sich die
Tagsatzungsherren der katholischen Orte nach Baden. Sie wollen die Dominanz der
katholischen Mächte auf dem Kongress dazu nutzen, ihren Besitzstand vor dem 1712er-Krieg
wiederzugewinnen.
Aber
die kaiserlichen Gesandten weisen die Anreisenden ab, angeblich, um die
Reformierten nicht in Rage zu bringen, in Tat und Wahrheit aber, weil die
katholische Innerschweiz über Militärpensionen nach wie vor mit Spanien
verbandelt ist, das dem Kaiser eben verloren gegangen ist. Die Absage trifft
ein, kurz bevor die Tagsatzungsherren die Stadt Baden erreichen. Immerhin
werden einige von ihnen inkognito von du Luc empfangen. Doch letztlich ist auf
dem Friedenskongress zu Baden von den katholischen Eidgenossen gar nichts zu
erreichen.
20.7.14
Durchbruch im Kapuzinergarten?
Von
Seilern lässt sich morgens von seinem Kollegen über die geheimen Gespräche vom
Vorabend aufdatieren. Fast den ganzen Tag verbringen die beiden Kaiserlichen
beieinander. Um sechs Uhr abends treffen sich die vier Hauptbevollmächtigten im
Kapuzinergarten zu geheimen Gesprächen, die über eine Stunde dauern.
An
die Öffentlichkeit dringt nichts von den Verhandlungen. Einzig weiss man
gerüchtehalber, dass der von du Luc nach Paris geschickte Extrakurier heute beim
König eingelangt ist und dass der Marschall de Villars, der später den Frieden
für Frankreich unterzeichnen soll, verschiedene Male im königlichen Kabinett
vorgesprochen haben soll.
19.7.14
Annäherung bei den Kapuzinern
Nach
der Konferenz, die wie immer von neun bis elf Uhr dauert, begibt sich Seilern
wie gewöhnlich in die Pfarrkirche, um der Messe seines Kaplans beizuwohnen.
Sein Kollege von Goëss hingegen beginnt, um sieben Uhr morgens den Gottesdienst
in der Kapuzinerkirche zu besuchen. Ein Zeichen der Annäherung an die Franzosen,
die ebenfalls dort zur Messe gehen?
Seilern
lässt wieder grossartig auftischen heute, 14 Speisen sind es, und die zehn
Gäste werden ausschliesslich aus purem Silbergeschirr verköstigt.
Abends
fährt Seilern mit seinem Hofstaat auf die Matte beim Hinterhof. Dort treffen
auch andere Gesandte und deren Frauen ein. Eine Stunde lang unterhält man sich
dort. Währenddessen erfolgen die wirklich wichtigen Gespräche im
Kapuzinergarten: Dort befinden sich von Goëss, du Luc und Saint-Contest um Geheimes
zu besprechen, bis die einfallende Nacht sie zur Rückkehr veranlasst.
18.7.14
Grosses Mittagessen im Kloster Wettingen
Der
kölnische Gesandte, Freiherr Johann Friedrich Ignaz Karg Freiherr von Bebenburg
(Ende 60) testet die Küche des Klosters Wettingen. Er lässt dort ein
mehrstündiges Mittagsmahl richten, mit dem er verschiedene andere Diplomaten
günstig stimmen will. Den jugendlichen päpstlichen Gesandten Passionei (32)
lässt er in einer mit sechs Rappen bespannten Kutsche ins Kloster führen. Der
französische Bevollmächtigte Saint-Contest, der bayrische Gesandte Johann Alois
Freiherr von Malknecht, der Gesandte von Lüttich und andere kommen in ihren
eigenen Gefährten.
Nach
19 Uhr begeben sich die kaiserlichen Botschafter auf die Wiese in der
Pfaffechappe. Saint-Contest folgt ihnen. Sie unterhalten sich dort auf
ungezwungene Weise eine Weile.
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