23.6.14

Alles deutet auf einen guten Verlauf hin

Aus dem Fortgang der Konferenz schliesst der Beobachter, dass alles seinen guten Fortgang nimmt. Welche Informationen oder Gerüchte stehen ihm hierzu wohl zur Verfügung?
Wiederum kommt ein Gesandter an: Der Baron von Wansoule, Domherr in Lüttich und Botschafter seines Domstifts nimmt Quartier im «Löwen», an der Ecke von Weiter Gasse und Rathausgasse.

22.6.14

Im Kongresstrott: Konferenz, heilige Messe, dann das leibliche Vergnügen

Alles verläuft in normalen Bahnen: Um neun ist Konferenz auf dem Rathaus, danach nehmen die Kaiserlichen in der Stadtkirche an der Messe teil, wie fast jeden Tag.

Zu Mittag essen bei von Seilern der Gesandte der Kurfürsten von Trier, der Botschafter der Republik Genua und ein ungenannter Jesuit. Auch in den anderen Residenzen werden Gäste zu Tisch gewesen sein.

21.6.14

Der betagte Abt von Einsiedeln zu Besuch

Um neun ist wieder Konferenz auf dem Rathaus. Der Abt von Einsiedeln ist heute zu Besuch. Er macht den kaiserlichen und französischen Botschaftern nacheinander die Visite. Maurus von Roll stammt aus solothurnischem Patriziat und ist der Erbauer der neuen Klosteranlage von Einsiedeln. 1702 hat er seinen Konvent beschliessen lassen, den Bau der gewaltigen Anlage zu wagen. Nun ist sie zu zwei Dritteln fertig. Mit dem Kirchenbau ist allerdings noch nicht begonnen worden.

Von Roll (61) ist zwar gleich alt wie du Luc, aber bei weitaus schlechterer Gesundheit. Es werden seine letzten Lebenswochen sein; am 29. August 1714 wird er das Zeitliche segnen. Graf von Seilern trägt dem hohen Alter seines Gasts Rechnung, indem er den Abt nicht zwei Stiegen hinaufsteigen lässt, sondern ihn bereits oberhalb der ersten empfängt.

20.6.14

Die Post als tagesfüllendes Ereignis

Wiederum ist Mittwoch, und die Konferenz fällt aus, weil die Gesandtschaften ihre Herren per Post informieren müssen. Die Expedition der Post ist ein Ereignis. Der kölnische Geandte, so erfährt man, hat einen Kurier nach Valenciennes abgeschickt. Wie sollen wir das deuten? Und überhaupt: Warum weiss das der Badener Tagebuchschreiber?

19.6.14

Saint-Contest verkatert?

Nicht der Geburtstag feiernde du Luc hat gestern über die Stränge geschlagen, nein, Saint-Contest ist heute unpässlich. Die Konferenz ist deshalb heute abgesagt. Von Goëss und von Seilern nutzen die Zeit, in der Kapuzinerkirche der Messe beizuwohnen. Nachdem die Kaiserlichen immer in der Stadtkirche die Messe besucht haben und die Franzosen bei den Herren Kapuzinern, kann das als Akt der Annäherung verstanden werden.

Nachmittags um drei lassen sich die Damen de Saint-Contest und Martinville zu ihrer Exzellenz von Goëss und danach zu von Seilern tragen, denen sie eine Visite geben.

18.6.14

Geburtstagsfeier mit Apéro riche im Stadttheater

Von der üblichen Konferenz um neun auf dem Rathaus will ich nicht berichten, weiss eh nichts darüber. Heute erfährt die Stadt, dass du Luc Geburtstag hat. Und wie er das feiert! Zu Mittag ist die Crème de la Crème bei ihm zum Mahl eingeladen, und nach der Tafel, um fünf Uhr, begibt sich die hohe Gesellschaft, zusammen mit anderen Gesandten, ins Schützenhaus auf der Schanze vor dem Bruggertor – man wird den Ort später Theaterplatz nennen, weil das Schützenhaus gleichzeitig das Stadttheater ist. Eine Komödie lässt du Luc hier aufführen, und jedermann darf gratis zuschauen. Fremde köstliche Weine, Kaffee und Tee und andere Getränke stehen für die Gäste bereit. Ein «Apéro riche» quasi. Und der erste seiner Art in der Bäderstadt, könnte man vermuten.

17.6.14

Im Kräutergarten wird Kurköln restituiert

Heute Sonntag bewirtet der Gesandte des Kurfürsten von Köln, Baron Karg, in seinem Logement im Schwarzen Bären neben dem Stadtturm alle vier Spitzenbotschafter. Madame de Saint-Contest und Madame de Martinville lassen sich in zwei Tragsesseln vom Paradies herüberbringen. Die Mahlzeit fängt um 12 Uhr an und dauert bis gegen 17 Uhr. Der kölnische Botschafter hat allen Grund, die Bevollmächtigten gut zu behandeln: Es geht um nichts weniger als die Wiedererlangung aller Rechte des Kurfürsten von Köln.

Das Kapuzinerkloster, wo anfänglich nur die Franzosen zur Messe gingen und im Garten lustwandelten, mausert sich zum Ort gemeinsamer informeller Gespräche: Nach der schweren Mahlzeit wandeln die vier kaiserlichen und französischen Ambassadoren im Kapuzinergarten und halten eine lange geheime Unterredung. Wird hier Kurkölns Schicksal besiegelt?