14.6.14

Verhandlungen geheim, Repräsentation öffentlich

Über die Verhandlungen erfährt die Öffentlichkeit nichts. Heute sind die hohen Herren Bevollmächtigten morgens das sechste Mal zu Gesprächen im Rathaus. Aus der relativ guten Harmonie und dem unausgesetzten Fleiss der Botschafter kann man nur schliessen, dass der Friede auf gutem Weg ist.

Was sonst passiert in Baden, das ist darauf angelegt, öffentlich bekannt zu werden: der Pomp, mit dem heute Graf von Goëss verschiedene neu eingetroffene Botschafter zur Mittagstafel einlädt. Der Aufwand, mit dem Offiziere, Bedienstete, Pferde und Kutschen der ankommenden Frau des Seigneur de Saint-Contest entgegengeschickt werden. Die Nachmittagsvisite von du Luc bei von Goëss. Und schliesslich der erste gemeinsame Abendspaziergang der kaiserlichen und französischen Botschafter im Garten des Kapuzinerklosters!

13.6.14

Die Post hat Priorität

Heute Mittwoch finden keine Verhandlungen auf dem Rathaus statt. Als Grund wird angegeben, die deutsche Delegation habe sich um die Berichterstattung an den Kaiser kümmern müssen. Die kaiserliche Post ist denn auch heute nach Wien abgegangen.

Allerorten finden Höflichkeitsbesuche, Gespräche und offizielle Essen statt. Heute etwa war bei Graf von Seilern der Propst des Klosters Wettingen nebst anderen Herren zu Mittag.


12.6.14

Informeller Abendspaziergang in den Bädern

Vormittags findet die übliche zweistündige Konferenz der kaiserlichen und der französischen Bevöllmächtigten auf dem Rathaus statt. Gegen Abend finden sich zahlreiche Diplomaten unter der Linde beim Hinterhof ein. Hier, in den Gartenanlagen westlich des grossen Badgasthofes, spazieren und diskutieren sie miteinander. Oben in der Stadt wird verhandelt, hier in den Bädern geht es informeller zu und her. Der Graf du Luc lässt sich derweil zum Gesandten Lothringens tragen und stattet ihm seine Visite ab.

11.6.14

Es wimmelt von Gesandten

Wie immer um neun Uhr vormittags ist auf dem Rathaus Konferenz. Weitere Gesandte kommen in Baden an: von Darmstadt, von Württemberg, von Parma. Insgesamt nehmen rund 80 Diplomaten am Kongress teil. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Es gibt guten Verdienst für solche, die etwas zu vermieten haben.

10.6.14

Grosses Bankett im Roten Turm

Heute Sonntag lässt der kaiserliche Bevollmächtigte von Seilern ein grossartiges Bankett geben. Der französische Gesandte du Luc muss sich allerdings entschuldigen lassen: Er leidet unter einem schmerzhaften Gichtanfall an seinen Zehen (Podagra) und liegt im Bett. Aber sein Kollege de Saint-Contest, der kaiserliche Bevollmächtigte Graf von Goëss mit seinem 15-jährigen Sohn, der Legationssekretär Penterriedter sowie die Gesandten von Köln, Bayern und Hessen-Kassel sind anwesend. Pagen, Bedienstete und Offiziere zu Hauf schwirren umher. In barocker Manier wird die Tafel zweimal mit Platten voller Speisen gefüllt, danach nochmals mit Konfekt.

9.6.14

Gespräche um Militärpensionen am Rand des Kongresses

Heute ist die vierte Konferenz auf dem Rathaus. Wiederum erfährt die Öffentlichkeit nicht, was da verhandelt wird. Dem Vernehmen nach halten die Kaiserlichen stur an dem fest, was sie im Präliminarfrieden von Rastatt erreicht haben.

Landammann Beat Jakob Zurlauben von Zug (54) kommt mit einer Delegation und zwölf Pferden in Baden an. Er ist Militärunternehmer im Dienste Frankreichs und Spaniens und will mit dem französischen Bevollmächtigten du Luc über finanzielle Dinge in diesem Zusammenhang sprechen. Wie andere erhofft er sich, am Kongress in bilateralen Gesprächen eigene Interessen verfolgen zu können.

8.6.14

Die dritte Konferenz

Um neun Uhr wird auf dem Rathaus wiederum Konferenz gehalten. Die Gespräche finden bilateral zwischen den Kaiserlichen und den Franzosen statt. Diese hören die Vertreter der Drittstaaten nur separat an. Zusammenkünfte aller Diplomaten sind nicht vorgesehen. Die Verhandlungen finden in Französisch und hinter geschlossenen Türen statt. Die Badener Bevölkerung erfährt nichts von ihrem Inhalt.